Rezssionsgespenst spukt wieder
Märkte spekulieren zunehmend auf Zinssenkung der EZB

Die Finanzmärkte spekulieren zunehmend darauf, dass die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten eine drohende Rezession mit einer Zinssenkung bekämpfen wird.

Reuters FRANKFURT. "Die Hiobsbotschaften reißen einfach nicht ab und keiner kann sich vorstellen, dass die Wirtschaft bald auf die Beine kommt. Da werden die Rufe nach einer Zinssenkung immer lauter", begründete ein Geldmarkthändler die Kursbewegungen am Donnerstag. Schlechte Konjunkturdaten kamen vor allem aus Deutschland, wo Einzelhandelsumsätze und Industrieaufträge im Juli erneut überraschend deutlich sanken und auch auf dem Arbeitsmarkt keine grundsätzliche Besserung in Sicht ist. Der Markt eilt dabei den Volkswirten derzeit weit voraus: Obwohl fast keine der großen Banken eine Zinssenkung prognostiziert, gilt sie den Preisen am Terminmarkt zufolge inzwischen als fast sicher.

Mit den deutschen Daten sei das "Rezessionsgespenst" an den Markt zurückgekehrt, auch wenn die Zahlen selbst keine neuen Zinsspekulationen rechtfertigten, sagten Händler. Vielmehr heize wohl eine ganze Reihe von Faktoren die Spekulationen an.

"Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose gesenkt. Dann gab es eine Reihe schlechter Daten, und außerdem nähert sich der Jahrestag des 11. September: insgesamt also eine diffuse Lage, in der viele am Markt auf Zinssenkungen setzen", sagte Rentenanalystin Maria Kopitzki von der Bankgesellschaft Berlin. Sie ist jedoch weiter davon überzeugt, dass die EZB dem Druck standhalten und die Zinsschraube nicht lockern wird. Der "Börsen-Zeitung" zufolge erwartet die EU-Kommission für die Euro-Zone nur noch ein Wachstum von rund einem Prozent nach einer Prognose von plus 1,4 % im Frühjahr.

Auch die Analysten der Deutschen Bank gehen nicht von einer Zinssenkung aus, sondern rechnen eher mit einem Anstieg der Leitzinsen im kommenden Jahr. Dem pflichtete auch Bondanalyst Tobias Hartmann von der Commerzbank bei. Er räumte jedoch ein: "Wenn wir wirklich einen Double Dip in den USA sehen, müssen die Zinsen wohl auch hier herunter gehen."

Die Euribor Dezember-Future preiste nach der Veröffentlichung der überraschend schwachen deutschen Einzelhandelszahlen eine rund 80-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass der EZB-Zins bis zum Jahresende um einen Viertelprozentpunkt unter dem derzeitigen Satz von 3,25 % liegen wird. Auch die Preise für Eonia-Swaps gaben weiter nach: das Tagesgeld kostete auf dieser Basis 3,28 %, das Jahresgeld nur noch 3,11 %. Die Preise für Termingelder mit Laufzeiten in der Zukunft (Forward Rate Agreements) - preisten eine Leitzinssenkung auf Sicht von vier Monaten ein.

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