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Rheinmetall: Sogar Verkauf möglich

Die Familie Röchling als Mehrheitsaktionär denkt über die Zukunft des Unternehmens nach-die Überlegungen reichen vom Einstieg eines Investors bis hin zum Verkauf.

MANNHEIM. Auch nach dem Ausstieg des US-Investors Guy Wyser-Pratte kommt die Rheinmetall AG, Düsseldorf, nicht zur Ruhe. Nach Informationen des Handelsblatts plant der Mehrheitsaktionär - die Familie Röchling aus Mannheim - einschneidende Änderungen. Die Überlegungen reichen von einem externen Investor oder Partner für das Düsseldorfer Traditionsunternehmen bis hin zu einem Verkauf. Das bestätigen mehrere voneinander unabhängige Quellen.

Erste wichtige Beschlüsse sollen an diesem Wochenende auf einem Sondertreffen der 193 Stamm- sowie 80 Vorzugsaktionäre der Röchling Industrieverwaltung GmbH (RIV) getroffen werden. Dabei geht es um Satzungsänderungen mit Blick auf neue Steuervorschriften ab dem kommenden Jahr.

Klaus Greinert, Vorsitzender des Röchling-Familienrates, bestätigte dem Handelsblatt das Treffen und die Satzungsänderungen. Er dementierte jedoch Pläne, Rheinmetall zu verkaufen. "Im Gegenteil: Wir wollen Rheinmetall weiterentwickeln." Dagegen ist von anderen Familienmitgliedern zu hören, es werde auch über einen Verkauf nachgedacht. Das bestätigen unternehmensnahe Kreise. Offensichtlich wächst innerhalb der Röchling-Familie der Unmut über die Entwicklung der Beteiligungen.

Die RIV hat unter den schwachen Zahlen von Rheinmetall gelitten. Die zweite Zwischenholding, die Gebr. Röchling, spürt die Probleme in der Telekommunikation bei ihrer Berliner Tochter Detewe. Lediglich die Beteiligungen im Kunstoffbereich (Haren und Sustaplast) sowie die kleineren Metallbetriebe legen bessere Zahlen vor.

Doch für eine Stärkung ihrer Beteiligungen fehlen den Röchlings die Mittel. Vieles spricht deshalb dafür, dass Werner Engelhardt, Vorsitzender der RIV-Geschäftsführung, versuchen wird, beim Düsseldorfer Mischkonzern einen externen Partner ins Boot zu holen. Dem könnte Röchling nach der Übernahme des siebenprozentigen Rheinmetall-Anteils von Wyser-Pratte ein attraktives Paket anbieten. Zurzeit halten die Mannheimer 72,7 % der Stamm- und 10,5 % der Vorzugsaktien von Rheinmetall. Früheren Aussagen zufolge wäre die Familie bereit, ihren Anteil auf 51 % zu reduzieren.

Als mögliche Investoren werden US-Rüstungskonzerne wie General Dynamics oder ATK genannt. Das würde allerdings die Politik auf den Plan rufen, da deutsche Wehrtechnik in fremde Hände fallen würde. Das wiederum könnte der Diskussion um einen deutschen Rüstungsverbund neuen Schwung verleihen, dem neben Rheinmetall auch Krauss-Maffei-Wegmann angehören soll.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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