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Rheinmetall-Verkauf ebnet Weg für Branchenkonsolidierung

Durch den Verkauf der Rheinmetall-Beteiligung der Unternehmerfamilie Röchling wird der Weg frei für eine Neuordnung der europäischen Panzer-Produzenten.

dpa-afx LONDON. Durch den Verkauf der Rheinmetall-Beteiligung der Unternehmerfamilie Röchling wird der Weg frei für eine Neuordnung der europäischen Panzer-Produzenten. "Bislang hat der Umstand, dass sich Rheinmetall in privaten Händen befand, das Unternehmen aus der Konsolidierung der Branche herausgehalten", sagte Alexander Nicoll, Rüstungsexperte beim britischen Forschungsinstitut International Institute for Strategic Studies (Iiss), am Donnerstag in London auf Anfrage.

Jetzt gebe es mehr Raum für eine europaweite Konsolidierung der Panzerfahrzeug-Hersteller. Europas Markt für Panzerfahrzeuge habe unter der Fragmentierung gelitten. Die Familie Röchling hat ihre 42,1-prozentige Beteiligung an dem Düsseldorfer Rüstungskonzern zum Verkauf gestellt und damit Spekulationen über eine bevorstehende Konsolidierungswelle forciert. Die US-Investmentbank Goldman Sachs sammelt bis Freitag Angebote von institutionellen Investoren. Nach Angaben von Rheinmetall sollen die Aktien breit gestreut werden, wodurch eine Dominanz durch einen Großaktionär verhindert werden soll.

Regierung

Bei einer europaweiten Fusion der Panzerbauer hätte die Bundesregierung ein gewichtiges Wort mitzureden. Wenn mehr als 25 Prozent eines für deutsche Sicherheitsinteressen wichtigen Unternehmens ins Ausland verkauft werden sollen, muss das Wirtschaftsministerium informiert werden. Das Ministerium kann dann innerhalb von vier Wochen das Geschäft untersagen. Mit dem Gesetz soll der Abfluss von technologischem Know-how ins Ausland verhindert werden. Rheinmetall verfügt nach Ansicht von Experten vor allem beim Panzerbau über einen technologischen Vorsprung.

Rüstungsexperte Nicoll hält eine Konsolidierung für notwendig. "Ich glaube, dass die neue europäische Verteidigungsagentur daran interessiert sein wird, einen Weg zu finden, die Effizienz dieser Branche im Sinne der Kunden zu erhöhen." Eine mit der Luftfahrtindustrie vergleichbare Rationalisierung habe bislang nicht stattgefunden.

Wegbereiter

Teile der europäischen Rüstungsindustrie haben sich bereits zusammengeschlossen, um besser gegen die mächtigen US-Konkurrenten bestehen zu können. So wurden unter dem Dach des Luft- und Rüstungskonzerns EADS die Aktivitäten im Bereich Kampfflugzeuge vereinigt. Der EADS-Konzern ging aus der Daimler-Chrysler-Tochter Dasa, dem französischen Unternehmen Aerospatiale-Matra und der spanischen Casa hervor.

Vor einer Neuordnung steht die europäische Werftenlandschaft. Derzeit fusioniert Thyssen-Krupp seine Werften mit dem Kieler U-Boot-Bauer HDW. Experten sehen die Fusion als Auftakt zu einer weiteren Konsolidierung. In der Branche gilt ein Zusammenschluss des deutschen Werftenverbundes mit dem französischen Rüstungskonzern Thales als beschlossene Sache. An dem Verbund soll auch der französische Staatskonzern DCN beteiligt werden.

Rheinmetall

Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold begrüßte den Ausstieg der Röchling-Familie bei Rheinmetall. "Ein Familienunternehmen als Großaktionär kann die notwendige Neuordnung der Wehrindustrie in Europa auch verhindern", sagte er dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). Deshalb sei es gut, wenn Röchling aussteige und die Aktien bei Anlegern in Europa breit gestreut würden. Das verhindere eher die Gefahr einer feindlichen Übernahme Rheinmetalls, betonte Arnold.

Nachdem US-Investoren bei dem Kieler U-Boot-Bauer HDW eingestiegen waren, gab es immer wieder Spekulationen um das große Interesse der Amerikaner an deutschen Rüstungsfirmen. In der Vergangenheit wurde über einen Einstieg des US-Finanzinvestor Carlyle Group bei Rheinmetall spekuliert.

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