Rhön-Klinikum nach neun Monaten im Plan
Klinikbetreiber erholen sich

Trotz der Belastung durch das inzwischen beendete Südafrika-Geschäft rechnet das Unternehmen mit einem Gewinn auf Vorjahreshöhe.

FRANKFURT/M. Während in vielen Reha-Kliniken angesichts der zunehmenden Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes die Patienten ausbleiben, ist der Betrieb von Akut-Kliniken offenbar weitgehend konjunkturresistent. Obwohl die vornehmlich mit Krankenhäusern in den fünf neuen Bundesländern vertretene Rhön-Klinikum AGin diesem Jahr mehr als 3Mill. Euro an Hochwasserschäden zu verdauen hatte, liegt der im bisherigen Jahresverlauf erzielte Konzerngewinn mit 49,3 Mill. Euro nur leicht unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz kletterte den Angaben zufolge um 25% auf knapp 652 Mill. Euro. Hintergrund des rasanten Wachstums ist die Übernahme mehrerer Krankenhäuser von öffentlich-rechtlichen Trägern durch die im M-Dax gelistete Gesellschaft. Diese Zukäufe machten etwa 90% des Umsatzzuwachses aus.

Angesichts der bisherigen Geschäftsentwicklung ist das in Bad Neustadt an der Saale ansässige Unternehmen zuversichtlich, zum Jahresende einen Gewinn auf Vorjahreshöhe ausweisen zu können. Dieses Ziel hatte sich die Rhön-Klinikum AG gesteckt, als sie zur Jahresmitte wegen Verlusten des inzwischen eingestellten Südafrika-Engagements die ursprünglichen Prognosen reduzieren musste. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, reduzierte sich der dort erwirtschaftete Verlust durch Verkaufserlöse auf 2,3 Mill. Euro.

Ludger Mues, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, zeigte sich zufrieden mit den jüngsten Zahlen des Rhön-Klinikums. "Sie zeigen, dass das Geschäftsmodell unabhängig von der Konjunkturentwicklung läuft", sagte er. Die Aktie des Unternehmens bewertet er als "Outperformer". Auch die Börse reagierte positiv auf die Zahlen: Während die Aktienkurse weltweit einbrachen, verbuchte die Rhön-Aktie am Dienstag zweistellige Kurszuwächse.

Nicht nur beim Rhön-Klinikum, das zumindest unter den wenigen börsennotierten Klinikbetreibern in Deutschland als das Vorzeigeunternehmen gilt, laufen die Geschäfte gut. Auch die vor allem im Reha-Bereich tätige Wittgensteiner Kliniken AG(WKA), die der Bad Homburger Fresenius-Konzern im vergangenen Jahr übernommen hatte, entwickeln sich nach Angaben von Branchenanalyst Mues gut. Die Auslastung der WKA-Häuser habe in den ersten neun Monaten 88% betragen. Die Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe sich, mit steigender Tendenz von Quartal zu Quartal auf 6% belaufen.

Privat betriebene Krankenhäuser stellen in Deutschland noch immer die Minderheit dar. Mehr als 80% der deutschen Krankenhäuser befinden sich in öffentlich-rechtlicher oder kirchlich-karitativer Trägerschaft. Neben dem Rhön-Klinikum, dessen vergleichsweise früher Börsengang für einen hohen Popularitätsgrad sorgte, gehören auch die Asklepios Kliniken GmbH, die Helios AGund die von privaten Krankenversicherern gegründete Sana Kliniken-GmbH zu den größeren Betreiber-Ketten in Deutschland.

Einige von ihnen sind gemessen an der Bettenzahl größer als das Rhön-Klinikum. Da sie als nicht-börsennotierte Gesellschaften ihre Ergebnisentwicklung nicht öffentlich zugänglich machen müssen, ist ein direkter Vergleich mit der Rhön-Klinikum AG nicht möglich. Wie alle Krankenhäusträger mit steigenden Patientenzahlen ist das Rhön-Klinikum von der gegenwärtig geltenden Budgetdeckelung negativ betroffen. Das mit den Versicherungsträgern ausgehandelte Budget vergrößert sich nur mit einer zeitlichen Verzögerung, wenn ein Haus mehr Patienten versorgt. Dies bedeutet zunächst sinkende Fallerlöse für den Träger. Wie das Rhön-Klinikum jetzt mitteilte, stieg die Patientenzahl in den abgelaufenen neun Monaten um über 40000 auf 177219. Die durchschnittlichen Fallerlöse hätten sich dadurch von 1992 Euro im Vorjahreszeitraum auf 1842 Euro reduziert. Vom kommenden Jahr an wird allerdings schrittweise ein Fallpauschalensystem eingeführt.

Quelle: Handelsblatt

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