Richard Brown ist Chef des IT-Dienstleisters EDS
Meister im Geschäft mit der Angst

Er gilt als erfolgreicher Sanierer und als begnadeter Motivierer seiner Mitarbeiter. Jetzt muss der 54-Jährige zeigen, dass er den Erfolg von EDS halten kann.

Er ist der Troubleshooter im High-Tech-Gewerbe: Beim Internet-Zugangsanbieter Compuserve, beim britischen Telefonkonzern Cable & Wireless und zuletzt beim größten unabhängigen IT-Dienstleister der Welt, Electronic Data Systems (EDS), hat Richard Brown gezeigt, wie man aus behäbigen, verschachtelten Firmen wettbewerbsfähige Unternehmen macht. Doch die Herausforderung, vor der der 54-Jährige jetzt steht, ist noch größer: Er muss dafür sorgen, dass das Geschäft bei EDS weiterläuft. In diesem Jahr soll der Konzern ein Umsatzplus von 13 bis 16 % erwirtschaften - Marktbeobachter halten das angesichts der anhaltenden Investitionszurückhaltung der Firmen für illusorisch.

Das wirtschaftlich scheinbar Unmögliche stachelt Browns Ehrgeiz erst so richtig an. Hilfreich könnten ihm dabei die Ereignisse des 11. September 2001 sein. Den Tag erlebte Brown an Bord seines Firmenjets - er saß auf dem Flughafen Newark fest, die Katastrophe in Manhattan am anderen Ufer des Hudson in Sichtweite. So tragisch der Einsturz des World Trade Centers war: Für Browns Konzern bedeutete er vor allem Chancen. Denn zu den Dienstleistungen, die EDS anbietet, gehören Sicherheitssysteme für Datennetze. Und in diesem Gewerbe arbeitet EDS aus Erfahrung gut: Kaum ein Unternehmen hat seine Systeme besser gesichert als EDS, der vom Ex-Elitesoldaten Ross Perot vor gut 40 Jahren gegründete Konzern gilt selbst als leicht paranoid. Die Datenzentren sind weltweit verteilt, an jedem Standort arbeiten nicht mehr als 700 Mitarbeiter, damit im Fall des Falles immer genug Experten da sind.

Brown spielt meisterlich mit der Angst der anderen: Einem Prediger gleich warnt er seit dem 11. September vor Angriffen auf jene elektronischen Netze, die die moderne Welt am Laufen halten. Eine solche Attacke werde weit verheerendere Auswirkungen haben als Angriffe auf Gebäude: Die Datennetze seien viel verletzlicher, denn "wir haben das ganze Geld in Bomben, Kugeln, Tore und Wächter ausgegeben, nicht in die Infrastruktur der Datennetze gesteckt". Ob sich die Furcht vor elektronischen Attacken für EDS tatsächlich in klingende Münze umwandelt, werden die Zahlen für das jüngste Quartal zeigen.

Dass er Talent hat, Leute zu motivieren, zeigt Brown bei EDS. Der hoch gewachsene Manager hatte 1999 einen chaotischen Konzern mit 48 Geschäftsbereichen übernommen. Brown, der mehr als zwei Jahrzehnte Managementerfahrung bei Technologiefirmen mitbrachte, griff durch: Er entließ Tausende Mitarbeiter, fasste die zahllosen Abteilungen zu vier Kernbereichen zusammen. Und startete eine Motivationskampagne für die restlichen 140 000 Mitarbeiter.

Geholfen hat Brown dabei sein kommunikatives Wesen: Freundlich plaudernd geht der grauhaarige Mann auf Menschen zu, spricht sein Gegenüber auf amerikanische Art mit Vornamen an und lässt sich "Dick" nennen. So schafft er entspannte Gesprächsatmosphäre - um fast unmerklich vom Small Talk zum Geschäftlichen überzuleiten. Dann geht jeder seiner Bemerkungen eine Denkpause voraus; er spricht langsam, bedächtig, wie um seinen Worten Nachdruck zu verleihen und gleichzeitig zu prüfen, ob sein Gesprächspartner folgt. "Der hört zu", heißt es im Konzern. Doch nicht nur das, er erklärt auch, was er tut: in regelmäßigen E-Mails an die Belegschaft. Das hat ihm den Respekt seiner Mitarbeiter eingebracht.

Der Erfolg hat dem 1947 im Städtchen New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey Geborenen im vergangenen Jahr einen Bonus von 7 Mill. $ eingebracht. Jetzt stellt sich die Frage, wie lange er es noch bei EDS aushält - in den vergangenen zwölf Jahren war die längste Zeit in einer Position vier Jahre. "Ich habe nicht die Absicht, EDS zu verlassen", sagt Brown mit Nachdruck. Die britische Cable & Wireless, seinen letzten Sanierungsfall vor EDS, hätte er über die Sanierung hinaus gern weitergeführt - wäre da nicht die Krankheit seiner Frau Chris gewesen, die ihn zurück in die USA zog.

Trotzdem sichert Brown bereits seine Nachfolge: Douglas Frederick, Chef der größten EDS-Sparte "Operations Solutions", gilt als Kronprinz.

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