Richter ordnete Prozess wegen Mordes und Entführung an
Anhänger Pinochets protestieren gegen Anklage

ap SANTIAGO. Rund 500 Anhänger von Augusto Pinochet haben am Dienstag gegen die geplante Strafverfolgung des chilenischen Generals demonstriert. Sie reisten in 17 Bussen zu Pinochets Sommerhaus in Bucalemu, 140 Kilometer südwestlich von Santiago, wo sie dem General auf Plakaten ihre Unterstützung bekundeten. Am Montag hatte Untersuchungsrichter Juan Guzman den früheren Militärmachthaber erneut wegen Mordes und Entführung angeklagt und ihn unter Hausarrest gestellt.

Ein Reporter des Fernsehsenders Megavision, der kurz zu Pinochet vorgelassen wurde, erklärte, der 85-jährige leide unter Gehproblemen und habe mit Hilfe einer Krankenschwester einen Spaziergang unternommen. Die Familie sei sehr besorgt über seinen Zustand. Pinochets Anwälte hatten am Montag unter Berufung auf seine schlechte Gesundheit Berufung gegen Guzmans Entscheidung eingelegt.

Pinochet lehnt Verantwortung ab



Von Guzman angeordnete ärztliche Untersuchungen haben in diesem Monat ergeben, dass der 85-Jährige unter mehreren Krankheiten und "gemäßigter Demenz" leide. Am Sonntag wurde er nach viertägiger Behandlung aus einem Militärkrankenhaus entlassen, nachdem die Blutzufuhr zu seinem Gehirn kurz unterbrochen gewesen sei.

Guzmans ermittelt gegen Pinochet wegen der so genannten Todeskarawane, einem militärischen Rollkommando, das unmittelbar nach dem Militärputsch vom Herbst 1973 75 Oppositionelle ermordet hatte. Eine frühere Anklage des Richters war aus formalen Gründen vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden.

Pinochet hatte während seiner Vernehmung in der letzten Woche jede Verantwortung für die Morde abgelehnt, die unter die Befehlsgewalt der Militärbezirkskommandeure gefallen seien. Dies hatte der damalige Befehlshaber des Militärbezirks Nord, General Joaquin Lagos, im Fernsehen öffentlich bestritten und erklärt, Pinochet trage die alleinige Verantwortung für die Bluttaten.

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