Richter tritt überraschend zurück
Aufsichtsrats-Chef verlässt Pixelpark

Der angeschlagene Internet-Dienstleister Pixelpark kommt nicht zur Ruhe. Der Aufsichtsratschef des mehrheitlich dem Bertelsmann-Konzern gehörenden Unternehmens, Jürgen Richter, hat am Freitagabend überraschend seinen Rücktritt erklärt.

HB/dpa BERLIN. Er werde sein Mandat bei der Berliner Pixelpark AG sowie den Vorsitz in den Aufsichtsräten von Lycos Europe NV (Haarlem) und der Universitätsdruckerei H. Stürtz AG (Würzburg) zum 30. November 2002 niederlegen, teilte Richter (61) mit.

In einer knappen Erklärung nannte Richter persönliche Gründe für seinen Rückzug. Er habe die Mandate auch nach seinem Ausscheiden aus den Diensten der Bertelsmann AG Ende Juli dieses Jahres fortgeführt und damit einer persönlichen Bitte des damaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff entsprochen. Die Ämter seien nur für eine kurze Übergangszeit vorgesehen gewesen.

Die Gesellschafter der Pixelpark AG bedauern diesen Schritt und werden umgehend einen Nachfolger vorschlagen, erklärte das Unternehmen. Neben Mehrheitsaktionär Bertelsmann und einem geringem Streubesitz hält Pixelpark-Gründer und Allein-Vorstand Paulus Neef noch Anteile. Allerdings hatte Neef angekündigt, sich von seinen Pixelpark-Aktien trennen zu wollen und diese an eine Bank zu übertragen. An der Börse verloren Pixelpark erneut und lagen kurz vor Handelsschluss mit fast 13 Prozent bei 1,28 Euro im Minus.

Richter war erst Anfang dieses Jahres an die Spitze des Kontrollgremiums der mit anhaltend hohen Verlusten kämpfenden Pixelpark AG berufen und als Sanierer geholt worden. Der frühere Vorstandschef des Axel Springer Verlages und Ex-Chef des Fachverlages BertelsmannSpringer sollte den Sanierungskurs begleiten und war zuletzt auf Käufersuche für den Bertelsmann-Anteil an Pixelpark in Höhe von rund 60 Prozent.

Die Käufersuche gestaltet sich angesichts der Probleme bei Pixelpark und der Marktschwäche aber offenbar schwieriger als erwartet. Zuletzt hatte es zahlreiche Spekulationen gegeben, nachdem sich verschiedene Unternehmensberatungen und Web-Agenturen teils selbst ins Gespräch gebracht hatten. Richter schwebte dem Vernehmen nach ein IT-Berater als neuer Mehrheitseigner einer dann deutlich kleineren Pixelpark AG vor. Eine mögliche Insolvenz, aus der heraus Pixelpark neu starten könnte, soll Richter ausgeschlossen haben.

2001 hatte Pixelpark mit derzeit weniger als 500 Beschäftigten einen Verlust von 86 Millionen Euro ausgewiesen, bei einem Umsatz von 81,3 Millionen Euro. Nach vorläufigen Zahlen wird auch in diesem Jahr ein deutlicher Umsatzrückgang erwartet. Die erhoffte Profitabilität wird verfehlt. Nach misslungenen Zukäufen und Rückschlägen im Ausland konzentriert sich das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft.

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