Richterspruch begrüßt
Werberat: Urteil ist richtungsweisend

dpa BONN/KARLSRUHE. Der Deutsche Werberat hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Schockwerbung der Firma Benetton begrüßt. In vielen Teilen der Begründung sei es Richtung weisend, berichtete der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) am Dienstag in Bonn.

Werbeanzeigen, mit denen die Firma Benetton Anfang der 90er Jahre Teile der Öffentlichkeit schockierte, sind dem Urteil zufolge mit dem Grundgesetz vereinbar. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem am Dienstag verkündeten Urteil die 1995 vom Bundesgerichtshof (BGH) ausgesprochenen Werbeverbote wegen Verletzung der Pressefreiheit aufgehoben.

Das Urteil bestätige, dass Werbung durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit geschützt sei, meinte der Werberat. Es entspreche auch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes. Demnach müsse der "lebenskompetente, umworbene Bürger bei der rechtlichen Beurteilung einer Werbemaßnahme zu Grunde gelegt werden und nicht die Minderheit von unbedarften Konsumenten".

Für die Arbeit des Werberates sei jedoch auch künftig nicht entscheidend, was rechtlich erlaubt und was verboten sei, sondern worauf der Werbende aus Mitverantwortung für die Gefühle der Umworbenen freiwillig verzichte. "Überrumplungsversuche seitens der Werbung mit dem Psychotrick der Provokation zahlen sich nicht aus", hieß es weiter.

Bei dem Urteil ging es um ein Verbot des Bundesdesgerichtshofs für den Abdruck von drei Zeitungsanzeigen, die eine ölverschmutzte Ente, ein menschliches Gesäß mit dem Stempelaufdruck "H.I.V.-Positive" sowie schwer arbeitende Kinder in der Dritten Welt zeigten - verbunden mit dem Hinweis "United Colors of Benetton". Dagegen hatte der Verlag Gruner+Jahr, in dessen Zeitschrift "Stern" die Kampagne gelaufen war, Verfassungsbeschwerde eingelegt.

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