Richtschall-Geräte ermöglichen die punktgenaue Ansprache von Kunden
Automaten werben für Produkte

Mit Hilfe eines neuen Ultraschallverfahrens lassen sich Geräusche zielgerichtet an eine Person übermitteln. Umstehende hören nichts. Vor allem die Werbebranche sieht darin ein erfolgversprechendes Medium.

DÜSSELDORF. Erst ein Zischen wie beim Öffnen der Cola-Dose, dann das Gluckern beim Einschenken ins Glas. Getränkeautomaten müssen künftig nicht mehr stumm auf Kundschaft warten, sondern können sich bei Passanten bemerkbar machen und so für mehr Lust auf eine Erfrischung sorgen. Eine neue Technik der American Technology Corporation macht?s möglich: Zielgerichtete akustische Werbebotschaften, die wie ein Lichtkegel exakt zum gerade vorbeispazierenden Menschen geschickt werden.

Das in San Diego ansässige Unternehmen hat nun mit dem Hypersonic Sound System (HSS) das erste Gerät auf den Markt gebracht, das es erlaubt, Menschen punktgenau anzusprechen. Es ähnelt äußerlich einem Waffeleisen und sendet akustische Wellen wie Licht aus einem Scheinwerfer gezielt an eine bestimmte Stelle. Das Geräusch trifft die Zielperson bis auf 140 Meter Entfernung exakt - einen halben Meter daneben ist nichts mehr zu hören.

Das Hypersonic Sound System geht auf ein Patent aus den 30er-Jahren zurück. Doch Versuche japanischer Elektronikfirmen wie Ricoh in den 80er-Jahren, die Technik zur Marktreife zu bringen, verliefen im Sande. Denn das eigentlich simple Prinzip ist technisch schwer umzusetzen. In den vergangenen Jahren hat die American Technology Corporation 30 Millionen $ Entwicklungskosten investiert und die Technik marktreif gemacht. Zwischen 600 und 1 000 Euro sollen die Geräte kosten - bereits 1 100 Bestellungen sollen inzwischen vorliegen.

Normalerweise breitet sich Schall in alle Richtungen aus. Der neue Richtschall-Lautsprecher arbeitet jedoch mit hochfrequenten Schallwellen. Diese lassen sich präzise bündeln und ausrichten. Zwei hochfrequente Ultraschallwellen mit 60 kHz, die das menschliche Ohr nicht mehr wahrnimmt, ummanteln die niederfrequente Klangwelle des Originaltons. Der Originalklang macht so jede Richtungsänderung der Schallquelle mit. Ans Ohr gelangen also drei Schallwellen, wobei nur die eigentliche Botschaft für den Menschen hörbar wird.

Nach den Vorstellungen von American Technology könnte HSS beispielsweise dazu eingesetzt werden, Passanten oder Kunden gezielt mit Produkthinweisen zu beschallen: Vor dem Waschmittelregal im Supermarkt ertönt eine Werbebotschaft für die entsprechenden Produkte. Einen Schritt daneben wird Seife angepriesen. "Einsatzgebiete werden in erster Linie Warenautomaten, Kioske, In-shop-Marketing, Museumsführer sowie Verkaufsausstellungen sein", sagt der Vizepräsident von American Technology, Bob Todrank.

Laut Elwood Norris, CEO der American Technology Corporation, zeigt auch das Militär Interesse: Vorgesetzte könnten ihre Befehle damit ohne Funkgerät direkt an die Mannschaften im Schützengraben weitergeben. Allerdings hat die Technik bei tiefen Frequenzen derzeit noch Probleme, den Schall zu bündeln. "Zum jetzigen Zeitpunkt wird es den Audio-Massenmarkt nicht umwälzen", ist deshalb Floyd Toole überzeugt, Vizepräsident der Akustik-Entwicklung beim Hi-Fi-Audio-Unternehmen Harman International.

Wenn die Technik verfeinert wird, könnte sich das ändern. In Deutschland arbeitet Sennheiser an einer ähnlichen Technik, die hier zu Lande als Audiobeam bezeichnet wird. Und Joseh Pompei, Ingenieur im Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT), hat ein "Audio Spotlight" entwickelt, das bereits im Boston Museum of Science zum Einsatz kommt. Sogar eine Autohupe auf Basis seiner Technik will Pompei auf den Markt bringen: Dann vernimmt nur derjenige, der gedankenverloren auf die Straße läuft, die Warnung des herannahenden Wagens - alle anderen bleiben vom ohrenbetäubenden Tuten verschont.

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