Rick Haythornthwaite ist der künftige Chef des britischen Invensys-Konzerns
Rick Haythornthwaite: Der Mann, dem nichts heilig ist

Er kennt sich in vielen Branchen aus. Rick Haythornthwaite sammelte ausgiebige Erfahrungen in der Ölindustrie. Und er machte sich einen Namen in der Zementbranche. Jetzt soll er den angeschlagenen Technologiekonzern Invensys aus der Krise führen.

LONDON. Rick Haythornthwaite steht vor seiner bislang größten Herausforderung. Zum 1. Oktober wird der 45-jährige Brite mit dem unaussprechlichen Namen die Nachfolge von Allen Yurko als Chef der Invensys Plc antreten. Der hatte seinen Posten nach mehreren Gewinnwarnungen entnervt aufgegeben. Jetzt soll Haythornthwaite es richten.

Beim britischen Technologiekonzern wartet viel Arbeit auf den blonden Hünen. Invensys hat Schulden in Milliardenhöhe angehäuft. Die Übernahme des niederländischen Softwarehauses Baan bereitet Probleme. Zudem muss sich das Unternehmen von 6 000 seiner 80 000 Beschäftigten trennen.

Haythornthwaite hat Erfahrungen mit schwierigen Situationen. Anfang vergangenen Jahres wollte der französische Konkurrent Lafarge den größten britischen Zementhersteller Blue Circle Industries übernehmen. Als Chef von Blue Circle organisierte er damals den Widerstand gegen die feindliche Übernahme. Er startete ein großes Aktienrückkaufprogramm und begann, im Konzern die Kosten massiv zu senken.

Doch dann änderte er seine Strategie. "Nichts ist heilig", erklärte Haythornthwaite auf einmal überraschten Journalisten. Er sehe das alleinige Heil des Unternehmens nicht mehr unbedingt in der Unabhängigkeit. Stattdessen begann der Vorstandschef zu pokern. Er schaffte es, dass Lafarge Anfang dieses Jahres 3,1 Milliarden Pfund für Blue Circle hinblättern musste. Das waren zwölf Prozent mehr, als die Franzosen ursprünglich zahlen wollten. Die Aktionäre jubelten. Und Haythornthwaite konnte das Unternehmen im Juli hocherhobenen Hauptes verlassen.

Seitdem hat er endlich mehr Zeit für seine Hobbys Skifahren und Tennis. Außerdem kann er sich intensiver der Kunst widmen. Er ist Vorsitzender der British Arts Association. -American Aber schon bald wird die Zeit für seine Hobbys angesichts seiner Herkulesaufgabe bei Invensys wieder knapp.

Die Erwartungen der Londoner Finanzgemeinde sind hoch. Ob er sie erfüllen kann, ist keinesfalls sicher. So ist zu hören, seine zweieinhalb Jahre bei Blue Circle seien einfach zu kurz, um seine Managementqualitäten nachhaltig unter Beweis zu stellen.

Immerhin hat Haythornthwaite bereits bewiesen, dass er keine Schwierigkeiten hat, sich schnell in eine fremde Branche einzuarbeiten. Nach seinem Geologie-Examen in Oxford startete er 1978 beim Mineralölkonzern BP Amoco. Langsam stieg er während seiner 17-jährigen Tätigkeit für den Multi in der Managementhierarchie bis zum BP-Landeschef von Venezuela auf. Nach einer kurzen Zwischenstation beim Konkurrenten Premier Oil kam er 1997 zu Blue Circle.

Zumindest Analysten begrüßen die Berufung von Haythornthwaite zum Vorstandschef von Invensys. Sie bauen auf seine Erfahrungen bei der Restrukturierung des Zementherstellers. Dass er dabei stets die Verbesserung der Kapitalrendite im Fokus hatte, dürfte das Vertrauen zu Invensys wieder herstellen, hoffen sie.

Als Mann einsamer Entscheidungen gilt Haythornthwaite nicht. Bei Blue Circle hat er bewiesen, dass er Verantwortung delegieren kann. Als es hoch herging in der Abwehrschlacht, hielt der Manager die Beschäftigten mit persönlich verfassten E-Mails auf dem Laufenden.

Seine Kommunikationsfähigkeit ist auch bei den gebeutelten Aktionären von Invensys gefragt. Seit dem Zusammenschluss von BTR und Siebe im Frühjahr 1999 zum größten Technologieunternehmen Großbritanniens haben die Anteilseigner nicht viel zu lachen. Allein seit Anfang vergangenen Jahres sank die Börsenkapitalisierung bis heute auf nur noch ein Viertel.

Die miserable Lage bei dem hoch verschuldeten Konzern gibt Haythornthwaite freie Hand, die Weichen neu zu stellen. Er dürfe die Aktionäre nur nicht um eine Kapitalerhöhung bitten, heißt es bei Analysten. Der designierte Vorstandschef hat bereits angedeutet, dass er die Selbstständigkeit des Konzerns erhalten will. "Aber wenn sich herausstellt, dass andere Lösungen im Interesse der Aktionäre liegen, werde ich mich nicht verschließen."

Haythornthwaite ist eben nichts heilig. Das haben schon die Aktionäre von Blue Circle beim Übernahmekampf mit Lafarge erlebt.

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