Ricke: "2003 mindestens schwarze Null“
Aktionäre prangern erneut Altlasten der Deutschen Telekom an

Die neue Führungsspitze der Deutschen Telekom ist auf der Hauptversammlung am Dienstag von den Schatten der vergangenen Geschäftsjahre eingeholt worden.

Reuters KÖLN. Auch wenn der seit sechs Monaten amtierende Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke nach dem Rekordverlust von knapp 25 Mrd. ? bereits für dieses Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone versprach, bohrten Aktionärsvertreter und Anteilseigner in den Wunden der Vergangenheit. Die Kritik richtete sich wie bei früheren Hauptversammlungen etwa gegen die Immobilienbewertung oder teure Akquisitionen des Konzerns.

Auf seiner ersten Hauptversammlung als Vorstandschef sagte Ricke am Dienstag vor rund 7000 Aktionären in Köln, der Konzern habe das bisher schwärzeste Jahr hinter sich. Nach der Ertragswende im ersten Quartal solle zum Jahresende "in einem harten konjunkturellen Umfeld mindestens eine schwarze Null" erzielt werden. Beifall erntete Ricke für Einsparungen bei den Gehältern der Führungskräfte. Bei der Hauptversammlung 2002 hatten die damals rund 10 500 Aktionären harsche Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat wegen der Gehälter geübt.

Kritik an Aktienkurs, Strategie und Immobilienwerten

Altlasten des Unternehmens bestimmten das rund neunstündige Aktionärstreffen. Erneut im Kreuzfeuer der Kritik standen die Ende 2001 korrigierte Immobilienbewertung, milliardenschwere Zukäufe und der vorerst letzte Börsengang Mitte 2000. Lars Labryga von der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre sagte, der Bund habe zuletzt seine Aktien für 66,50 ? je Stück verkauft. Jedoch sei der versprochene Kursanstieg ausgeblieben.

Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte die vom Bund als größtem Aktionär betriebene Ablösung des langjährigen Konzernchefs Ron Sommer Mitte 2002 als "Posse". Die monatelange Nachfolgesuche sei "völlig aus dem Ruder gelaufen", da mehrere Kandidaten abgesagt hätten. Der Aktionärsschützer verlangte von Sommer-Nachfolger Ricke "mehr Selbstkritik". Ricke habe "beim Kauf von VoiceStream mit auf dem Fahrersitz gesessen". Für den US-Anbieter hatte die Telekom rund 40 Mrd. Dollar bezahlt und in der Folge einen drastischen Kursrutsch verzeichnet.

Die wegen angeblicher Duldung von Misswirtschaft von zahlreichen Aktionären verlangte Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat wurde wie in den Vorjahren mit der faktischen Stimmenmehrheit des Bundes abgeschmettert. Auch die Berufung von fünf neuen Arbeitgebervertretern in den Aufsichtsrat fand trotz Kritik an einer Ämterhäufung eine überwältigende Zustimmung.

Neuausrichtung soll Kurse wieder steigen lassen

Von der vor Monaten begonnenen Neuausrichtung der Telekom auf Entschuldung und ertragsorientiertes Wachstum verspricht sich Konzernchef Ricke einen wieder steigenden Aktienkurs. "Denn wir wollen unsere Eigentümer zufrieden stellen", sagte er unter Beifall der Aktionäre. Am Dienstag legte die Aktie 2,6 % auf 11,89 ? zu. Zur Hauptversammlung im Mai 2002 hatte der Kurs bei 12,50 ? gelegen, nach einem Allzeithoch von knapp 105 ? Anfang 2000. Keinen negativen Kurseinfluss hatte der nach Ansicht der EU-Wettbewerbsbehörde bestätigte Vorwurf, dass die Telekom mit zu hohen Preisen ihre Konkurrenten im Ortsnetz behindert. Die Telekom hatte dies unter Verweis auf regulierte Preise stets bestritten. Nach Angaben aus EU-Kreisen soll am Mittwoch die Höhe der fälligen Geldbuße festgelegt werden.

Dividendenausfall mehrheitlich hingenommen

Wenig Kritik musste die Telekom für den ebenfalls in der Abstimmung mehrheitlich gebilligten Dividendenausfall für das Geschäftsjahr 2002 einstecken. Dadurch spart der Konzern rund 1,6 Mrd. ?. Für 2001 war die Dividende bereits um 40 % auf 37 Cent je Aktie gesenkt worden. Über den Zeitpunkt einer erneuten Ausschüttung machte Ricke keine Angaben.

Den bereits seit längerem bestehenden Vorwurf falscher Börsenprospekte wies Ricke abermals zurück. "Ich möchte Ihnen versichern, dass die erhobenen Vorwürfe keine Grundlage haben", sagte der Manager. Dies werde sich auch vor Gericht bestätigen. Mehrere tausend Aktionäre haben die Telekom auf Schadensersatz verklagt, da sie sich unter anderem durch die gesenkte Immobilienbewertung getäuscht sehen. Große Fonds wie DWS Investments, die anders als in den Vorjahren auf Redebeiträge in der Debatte verzichteten, planen dagegen eigenen Angaben zufolge keine juristischen Schritte gegen die Telekom.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%