Ridge: "Opfer des Krieges gegen Terrorismus"
US-Postangestellte verärgert über späte Milzbrand-Tests

Nach dem Tod zweier Postangestellter in Washington haben sich Mitarbeiter darüber beschwert, dass sie erst mit tagelanger Verspätung auf Milzbrand-Erreger getestet wurden. Die beiden Toten waren mit Milzbrand-Symptomen in eine Klinik eingeliefert worden und starben vermutlich an der Krankheit.

Reuters WASHINGTON. Der Minister für innere Sicherheit, Tom Ridge, bezeichnete die Verstorbenen als Opfer des "Krieges gegen Terrorismus" auf dem "Schlachtfeld im Lande". Die Postmitarbeiter waren erst am Sonntag auf Milzbrand getestet worden, Mitarbeiter des US-Kongresses hingegen sofort nach Auftauchen eines infektiösen Briefes am vergangenen Montag. Die Parlamentarier nahmen am Dienstag ihre Arbeit im Kapitol wieder auf.

Die zwei verstorbenen Postangestellten hatten im zentralen Briefverteilamt Washingtons gearbeitet, durch das auch die Post an den Kongress läuft. Zwei weitere Mitarbeiter sind vermutlich an der gefährlichen Form des Lungenmilzbrandes erkrankt. Dieser Krankheitsverlauf entsteht durch das Einatmen der Bakterien. Auf der Haut verursachen sie die weniger gefährliche Form des Hautmilzbrandes.

Am Montag wurden Postmitarbeiter und andere Personen, die im Briefverteilamt waren, im D.C. General Hospital getestet, insgesamt mehr als 2200. Viele waren verärgert: "Ich denke, sie haben zu lange gewartet, um uns zu testen", sagte der Postangestellte Joann Whitfield, "das Ergebnis - jetzt sind zwei tot." Als der Senator den Brief bekommen habe, müsse auch klar gewesen sein, welchen Weg der Brief genommen habe, sagte er. Frühere Tests hätten vielleicht zur rechtzeitigen Behandlung der Kollegen geführt und diese gerettet.

In der vergangenen Woche waren Milzbrand-Erreger an einem Brief festgestellt worden, die an den Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Tom Daschle, adressiert war. Später wurden festgestellt, dass 28 Mitarbeiter von Senatoren und an den Ermittlungen beteiligte Polizisten mit den Erregern in Kontakt gekommen waren.

Die Behörden wiesen die Vorwürfe der Postmitarbeiter zurück. Minister Ridge sagte, die Verantwortlichen hätten so schnell gehandelt wie möglich. Der Chef des Bundespostdienstes, John Potter, sagte, es sei nicht der Moment, "an dem Amerika mit dem Finger auf andere als auf die Terroristen zeigen sollte".

Der Chef des Washingtoner Gesundheitsamtes, Ivan Walks, sagte indes, die Behörden seien von einer Infektionsgefahr durch den harmloseren Hautmilzbrand ausgegangen und nicht von einer Gefährdung durch Lungenmilzbrand. Entsprechend seien die Empfehlungen ausgegeben worden. Die Postbehörde teilte mit, sie habe sich an die Empfehlungen gehalten, nach denen sofortige Tests nicht nötig gewesen seien. Man sei zunächst davon ausgegangen, dass die Milzbrand-Erreger nicht aus einem geschlossenen Umschlag heraus gelangen könnten. Man habe aber inzwischen viel über die Krankheit und die Bakterien gelernt.

Eine eindeutige Diagnose der zwei Todesfälle lag am Montag aber noch nicht vor. Vertreter der Gesundheitsbehörden sagten, die entscheidenden Test-Ergebnisse stünden noch aus, bei einem der beiden Toten seien jedoch die ersten Ergebnisse verdächtig, im zweiten Fall seien die "Todesumstände hoch verdächtig". Bestätigt sich der Verdacht, steigt die Zahl der in jüngster Zeit an Lungenmilzbrand verstorbenen US-Bürger auf drei. Am 5. Oktober war im US-Bundesstaat Florida ein 63-jähriger Fotoredakteur an der Krankheit gestorben.

Die Ermittlungsbehörden untersuchen einen Zusammenhang der per Post versendeten Milzbrand-Erreger mit den Anschlägen am 11. September, bei denen vermutlich fast 5400 Menschen getötet wurden. Für die Anschläge, die unter anderem dem World Trade Center in New York galten, machen die USA den moslemischen Extremisten Osama bin Laden verantwortlich, den sie in Afghanistan vermuten. Ridge sagte, die Regierung wisse noch nicht, wer hinter den Milzbrand-Briefen stecke.

Irak wies unterdessen Vermutungen zurück, es sei in die Milzbrandanschläge verwickelt. Das Land lehnte zugleich eine Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren zur Untersuchung der irakischen Waffenprogramme ab.

Die US-Parlamentarier haben am Dienstag ihre Arbeit im Kapitol in Washington wieder aufgenommen, nachdem vor fast einer Woche Räume des Repräsentantenhauses geschlossen worden waren. Umliegende Büros, wo ein Großteil der Arbeit des Repräsentantenhauses und des Senats stattfindet, blieben geschlossen. Dort wurde weiter nach Milzbrand-Erregern gesucht.

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