RIECKES RÜCKFRAGE
Der Berg ruft

Josef Ackermann ist immer für eine Spekulation gut. Vor einem Jahr wurde der Chef der Deutschen Bank als neuer Kopf der Citigroup gehandelt. Ackermann fühlte sich geschmeichelt und ließ die Gerüchteküche einige Tage brodeln. Jetzt soll es den gebürtigen Schweizer zurück in die Heimat ziehen.

Die Rettung der UBS, so wollen die Kollegen von der "Zeit" herausgefunden haben, würde Ackermann reizen. Eine schriftliche Anfrage der Bank würde er ernsthaft prüfen. Die Deutsche Bank dementierte zwar und verwies auf den bis 2010 laufenden Vertrag. Aber der Name Ackermann ist erstmal wieder in aller Munde und heizt die Fantasien in Frankfurt und Zürich an.

Und wenn man der Fantasie freien Lauf lässt, kommt man sehr schnell darauf, dass ein Wechsel von Ackermann zur UBS zumindest für die angeschlagene Schweizer Großbank durchaus Sinn machen würde. In Zürich ist es ein offenes Geheimnis, dass der Jurist Peter Kurer an der Spitze des Verwaltungsrats keine Bestbesetzung ist. Das Gleiche gilt übrigens auch für Vorstandschef Marcel Rohner. UBS-Vizepräsident Sergio Marchionne äußerte unlängst Zweifel an dem Führungsduo.

Tatsächlich sind sowohl Kurer als auch Rohner belastet. Beide hatten in den Jahren Führungspositionen inne, als sich die UBS in das Subprime-Abenteuer stürzte. Zudem könnten die beiden Manager noch in die Steueraffäre in den USA hineingezogen werden. Ist in der Anklageschrift gegen Vorstandsmitglied Raoul Weil doch von weiteren Spitzenmanagern die Rede, die für die dubiosen Beratungspraktiken verantwortlich seien. Kurer war zu der fraglichen Zeit Chefjurist, Rohner leitete im Vorstand das Global Wealth Management.

In Zürich wächst deshalb die Überzeugung, dass eine personelle Erneuerung nur von außen kommen kann. Fiat-Chef Marchionne hätte zwar das Management-Kaliber für den UBS-Spitzenjob, er ist jedoch kein Banker und hat auch bereits abgewinkt. Es liegt also nahe, den derzeit wohl prominentesten Schweizer Banker ins Spiel zu bringen. Zumal der Eidgenosse Ackermann für einen patriotischen Hilferuf aus der alten Heimat durchaus empfänglich zu sein scheint. Wenn die Berge rufen, bekommen die Schweizer Heimweh. Ob Ackermann klar ist, dass es bei der UBS vor allem Berge von Problemen sind, die ihn zurückrufen?

riecke@handelsblatt.com

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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