Rieckes Rückfrage
Der O'Reilly Faktor

Zwischen den USA und der Schweiz knirscht es. Grund ist der Steuerprozess gegen die UBS, der am Montag in Miami beginnt. Während die Amerikaner in der Alpenrepublik einen Hort von Steuersündern sehen, fühlen sich die Eidgenossen vom Stärkeren an die Wand gedrückt.

Der amerikanische Talkmaster Bill O'Reilly hat jetzt mit einigen Vorurteilen aufgeräumt und die Schweiz in seiner Sendung „The O'Reilly Factor“ über den grünen Klee gelobt. Sie sei nicht nur das sauberste Land der Welt, sondern auch in der Sozialversicherung und bei der Einwanderungspolitik ein Vorbild für Amerika.

Woher das Sprachrohr der Konservativen in den USA das alles weiß? O'Reilly hat seinen Urlaub in der Schweiz verbracht, im Palace Hotel in Gstaad. Reisen bildet eben. Vielleicht sollten einige Kongressabgeordnete aus Washington und einige Bundesräte aus Bern einmal den Weg über den Atlantik antreten und sich vor Ort ein Bild machen. Mit den „Friends of Switzerland“ in Washington und dem Verein Schweiz-USA in Bern gibt es bereits zwei parlamentarische Reisegruppen.

Die Eidgenossen würden etwa erfahren, dass die Jagd nach Steuersündern keineswegs einem Obrigkeitsstaatsdenken entspringt, sondern viel mit dem amerikanischen „Fair-Play“ zu tun hat. Auch könnten sie lernen, dass eine ausländische Bank nicht jahrelang die Gesetze des Gastlandes brechen darf, um sich dann – wenn sie erwischt wird – hinter dem heimischen Bankgeheimnis zu verstecken.

Umgekehrt würden die Amerikaner erfahren, dass sich der Reichtum der Schweiz nicht nur darauf gründet, dass Banker ihre ausländische Kunden überreden, Schwarzgelder auf Schweizer Nummernkonten zu verstecken. Vermutlich wären sie überrascht zu hören, dass das Bankgeheimnis keineswegs nur zur Steuerhinterziehung missbraucht wird, sondern das Vermögen vieler Juden vor dem Zugriff der Nazis gerettet hat. Und vielleicht würden sie dann auch feststellen, dass die UBS in Amerika mehr Menschen beschäftigt als in der Schweiz. Das Aus für die Bank in den USA wäre auch das Aus für 27 000 US- Jobs.

Wäre es nicht eine gerechte Strafe für die UBS, wenn sie neben einer saftigen Geldbuße auch die Reisekosten der Parlamentarier aus beiden Ländern für die nächsten zehn Jahre bezahlen müsste?

riecke@handelsblatt.com

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