Rieckes Rückfrage
Der Patient UBS

Seit dieser Woche hat die Schweizer Regierung die Möglichkeit, sich aus ihrem Engagement bei der krisengeschüttelten UBS zurückzuziehen. Passiert ist bislang nichts.

Seit dieser Woche hat die Schweizer Regierung die Möglichkeit, sich aus ihrem Engagement bei der krisengeschüttelten UBS zurückzuziehen. Passiert ist bislang nichts. Die Eidgenossenschaft habe noch keine Entscheidung getroffen, hieß es lapidar aus der Hauptstadt Bern. Das Abwarten des Staates ist aber auch eine Botschaft. Ganz offensichtlich fehlt das Vertrauen, dass die einstmals größte Bank der Schweiz nach den katastrophalen Verlusten in der Finanzkrise bereits wieder auf eigenen Füßen stehen kann. Der Patient UBS befindet sich zwar auf dem Weg der Besserung, braucht aber wohl noch ein paar Monate in der Reha-Klinik.

Die Vorsicht der Eidgenossen ist angebracht. Der neue Konzernchef Oswald Grübel ist zwar dabei, die Kosten kräftig herunterzufahren. Aber es brennt weiter an vielen Ecken und Enden. So konnte die Bank immer noch nicht den Abfluss von Kundengeldern stoppen. Damit zeichnet sich nach dem Verlust von 23 Mrd. Franken in den ersten drei Monaten auch im zweiten Quartal noch keine Trendwende ab. Obwohl die UBS den größten Teil ihres Giftmülls aus der Finanzkrise in eine staatliche Zweckgesellschaft auslagern durfte, ist die Bilanz immer noch keine risikofreie Zone. Allein bei den kapitalschwachen Monoline-Versicherern ist die Bank noch mit über fünf Mrd. Franken engagiert.

Dass die Regierung noch eine Weile ihre schützende Hand über UBS halten will, dürfte aber vor allem an dem ungelösten Rechtsstreit in den USA liegen. Anfang Juli wird sich entscheiden, ob es der US-Steuerbehörde IRS gelingt, die UBS gerichtlich zur Herausgabe von 50 000 Kun-dendaten zu zwingen. Verlieren die Schweizer das Verfahren in Miami, könnte die Bank wegen ihrer Beihilfe zur Steuerhinterziehung erneut an den Pranger gestellt werden. Einen solchen Rückschlag würde der Patient vermutlich nicht überstehen. Die Regierung pocht deshalb darauf, dass die Klage fallengelassen wird, bevor sie ein neues Doppelbesteuerungsabkom-men mit den USA vereinbart. Die Amerikaner wird das kaum beeindrucken.

Dass bei UBS Mitarbeiter und Investoren davonlaufen, wundert nicht. Zumal die direkte Konkurrenz sich im Erfolg sonnt. Die Credit Suisse ist an der Börse mittlerweile ein Drittel mehr wert als ihre Erzrivalin.

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