Rieckes Rückfrage
Die Nägel des Fürsten

In all den Krisenmeldungen der vergangenen Woche ist eine gute Nachricht fast untergegangen: Die Steuertrutzburg Liechtenstein will künftig ihre Zugbrücken hochziehen, wenn dunkle Gestalten mit noch dunkleren Kassen aus dem Ausland bei ihr Zuflucht suchen.

Unter der schmucklosen Überschrift „LGT Group richtet ihr Treuhandgeschäft neu aus“ signalisiert die wichtigste Bank des Fürstentums, dass Steuerflüchtlinge im Zwergstaat hinter den Bergen nicht mehr willkommen sind. Treuhandlösungen sollen künftig so gestrickt werden, dass sie mit der Steuergesetzgebung der Herkunftsländer der Kunden übereinstimmen.

Da in einem Fürstentum nichts gegen den Willen des Monarchen geschieht, kann man davon ausgehen, dass der Kurswechsel der Banker vom Schlossherrn verordnet wurde. So beruhigend das Signal aus Vaduz klingt, so fraglich ist es, wie die Banker und Treuhänder ihre hehren Vorsätze umsetzen wollen. Zwar arbeitet der örtliche Bankenverband an einem neuen Verhaltenskodex. Danach sollen Kunden, die nicht deklarierte Gelder aus dem Ausland in Liechtenstein verstecken wollen, künftig von allen Kreditinstituten abgewiesen werden. Wer sich nicht an den Ehrenkodex hält, wird vom Fürsten geächtet.

Doch wie wollen die Banker den Sündern auf die Schliche kommen? Der effektivste Weg wäre ein Datenaustausch mit den Herkunftsländern. Dagegen hat sich der Fürst bislang gesperrt. Stattdessen will man nun mit den Steuerberatern der Kunden zusammenarbeiten, damit alles mit rechten Dingen zugeht.

Überzeugend ist das nicht. Welches Interesse sollte ein Steuerberater daran haben, seinen Klienten bloßzustellen? Die Vermögensstrategen am Fuße des fürstlichen Schlosses müssen sich da schon etwas Besseres einfallen lassen, wenn sie unseren Steuerjäger Steinbrück besänftigen wollen. Der hat sich zwar zwischenzeitlich mit Zuckerbrot und Peitsche auf die benachbarten Schweizer gestürzt. Spätestens mit dem Prozessbeginn gegen den Steuersünder Klaus Zumwinkel wird das Fürstentum wieder ins Visier der deutschen Politik geraten. Soll der ehemalige Post-Chef doch mit Hilfe einer Stiftung in Liechtenstein Steuern von mehr als eine Million Euro hinterzogen haben. Wäre es da nicht besser gewesen, der Fürst hätte gleich Nägel mit Köpfen gemacht?

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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