Rieckes Rückfrage
Finance-Fiction

Die Finanzkrise ist in der Unterhaltungsliteratur angekommen. Dabei geht es nicht um die bohrende Frage: Wie konnte das geschehen? Das zu beantworten ist Aufgabe von Sachbüchern, von denen es inzwischen mehr als genug gibt. Hier geht es vielmehr um die nicht minder spannende Frage: Was hätte geschehen können?

Die Finanzkrise ist in der Unterhaltungsliteratur angekommen. Dabei geht es nicht um die bohrende Frage: Wie konnte das geschehen? Das zu beantworten ist Aufgabe von Sachbüchern, von denen es inzwischen mehr als genug gibt. Hier geht es vielmehr um die nicht minder spannende Frage: Was hätte geschehen können? Das eine als Wirklichkeit und das andere als Fiktion abzutun, wäre ungerecht. Lassen sich die beiden Dimensionen doch gerade in der zwielichtigen Finanzwelt nicht immer sauber voneinander trennen. Das hat sich jetzt ein anonymer Autor zunutze gemacht, der in Frankreich unter dem Pseudonym Krösus die „Confessions d'un banquier pourri“ (Beichte eines verdorbenen Bankers) veröffentlicht hat.

Das wie ein Krimi geschriebene Buch sorgt mit seinen scheinbaren Enthüllungen über Banker und Politiker nicht nur in Frankreich für Schlagzeilen. Auch im Nachbarland Schweiz hat man jetzt die „Confessions“ des vermeintlichen Top-Bankers entdeckt. Der Grund dafür ist, dass zwei prominente Eidgenossen angeblich das Schweizer Bankgeheimnis ausgehebelt haben sollen. Der eine, Pascal Couchepin, war bis vor kurzem Bundespräsident und ist jetzt Innen- und Gesundheitsminister der Alpenrepublik. Der andere, Konrad Hummler, ist nicht nur Handelsblatt-Kolumnist, sondern der wohl bekannteste Privatbankier der Schweiz. Couchepin soll mit Hilfe von Hummler auf massiven Druck des damaligen US-Finanzministers Hank Paulson vertrauliche Konteninformationen von Lehman-Managern an die USA weitergereicht haben. Die beiden Eidgenossen haben das dementiert.

Alles nur Finance Fiction? Krösus erzählt noch eine weitere Geschichte. So soll Hummler bereits 2005 einen Angriff der EU auf das Schweizer Bankgeheimnis erfolgreich abgewehrt haben. Damals, so schreibt Krösus, hätte der Bankier den Bürokraten in Brüssel Brüssel einfach damit gedroht, die undeklarierten Vermögen von drei EU-Kommissaren in der Schweiz offenzulegen. Auch dafür gibt es keinen Beleg – und Hummler dementiert auch diese Geschichte.

Auch wenn hier mehr Dichtung als Wahrheit im Spiel ist, wirft das Buch doch die politisch spannende Frage auf: Was würde wohl passieren, wenn die in Amerika am Pranger stehende UBS alle Konten von US-Kongressabgeordneten in der Schweiz offenlegen würde?

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