RIECKES RÜCKFRAGE
Gut gemeinte Hilfe mit fatalen Folgen

Im Englischen gibt es den schönen Begriff der "unintended consequences". Gemeint sind damit unbeabsichtigte Folgen wirtschaftspolitischer Maßnahmen, die etwas grobschlächtig auch als Kollateralschäden bezeichnet werden. Die Bekämpfung der Finanzkrise bietet einen reichen Fundus für gut gemeinte Hilfen mit fatalen Folgen.

So ist die amerikanische Regierung Ende des vergangenen Jahres dem Finanzkonzern GMAC mit fünf Mrd. Dollar zur Seite gesprungen. Der Kreditarm des Autokonzerns General Motors nutzte die Staatshilfe, um in dieser Woche zahlreiche GM-Modelle mit zinslosen Finanzierungsangeboten anzupreisen. Darunter sind viele benzinfressende Geländewagen.

Die Hilfe für GM wird so zum Problem für Ford, Toyota und die Umwelt. Ford hat bislang auf Staatshilfe verzichtet, kann gegen subventionierte GM-Modelle aber kaum konkurrieren. Ein Verkaufsschlager von Toyota war das Hybrid-Modell "Prius". Sinkende Benzinpreise haben den Absatz des Umweltautos bereits einbrechen lassen. Jetzt wird der Prius auch noch von den mit Staatsknete angetriebenen GM-Trucks überrollt.

Der neue US-Präsident müsste den Kollateralschaden mit einer höheren Benzinsteuer reparieren. Damit wäre das Chaos perfekt. Die unbedachte Hilfe für GM führt zur Wettbewerbsverzerrung und konterkariert den Umweltschutz. Der Staat muss erneut eingreifen, um die verkorkste Sache wieder geradezubiegen.

Dass dieser wirtschaftspolitische Unsinn keineswegs ein amerikanisches Unikum ist, zeigen die Pläne für einen "Deutschlandfonds". Bis zu 100 Mrd. Euro will die Bundesregierung lockermachen, um einen Rettungsfallschirm für notleidende Firmen zu spannen. Bereits jetzt ist absehbar, dass die Wirtschaft damit mehr beschädigt als beflügelt würde. Sollten wir doch spätestens seit den Lehren des österreichischen Ökonomen Friedrich A. Hayek wissen, dass es ins Verderben führt, wenn sich der nur scheinbar allwissende Staat als Förderer von Unternehmen und Geschäftsmodellen betätigt.

Wieso darf der Staat Banken retten und muss Firmen hängen lassen? Der Unterschied liegt in der existentiellen Bedeutung der Kreditinstitute für die gesamte Wirtschaft. Für Unternehmen gilt das in der Regel nicht. Gerecht ist das nicht, ökonomisch ist es dennoch richtig. Ist nicht auch dieses moralische Dilemma ein Kollateralschaden der Finanzkrise?

riecke@handelsblatt.com

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