RIECKES RÜCKFRAGE
Nur schnöder Mammon?

Barack Obama sieht einen Hoffnungsschimmer, Ben Bernanke ist wieder zuversichtlich - es wird höchste Zeit sich Gedanken über das Leben nach der Krise zu machen. Auch wenn der Zweckoptimismus des US-Präsidenten und des dortigen Notenbankchefs ein wenig an das berühmte Pfeifen im Walde erinnert.

Zwar sind Prognosen angesichts der zahlreichen Unwägbarkeiten immer noch schwierig, doch lässt sich bereits heute sagen, dass das Leben der Banken nach der Krise schlechter sein wird als in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Die Aufsicht wird strenger, die Gewinne werden spärlicher, und die Boni der Banker werden niedriger ausfallen. So viel ist sicher.

Wie die Zukunft der Banken aussehen wird, hängt jedoch entscheidend davon ab, welche Rolle wir den Finanzmärkten in der Wirtschaft zubilligen. Folgt man dem amerikanischen Ökonomen John Kenneth Galbraith, dann wird auf Finanzmärkten lediglich Geld hin- und hergeschoben, ohne dass die Wirtschaft dabei Produktivität gewinnt. Die aktuelle Krise scheint dafür der beste Beleg. Jedes Finanzinstrument ist demnach nur eine neue Spielart des alten Schuldenmachens. Wirkliche Innovationen gibt es in der Finanzwelt nicht.

Hat der Altmeister recht, dann können sich die Banken künftig wie Strom- und Gasversorger damit begnügen, Finanzmittel kostengünstig dorthin zu leiten, wo sie gebraucht werden. Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Sie ist essentiell für das Funktionieren der Wirtschaft und wurde von den Banken zuletzt ungenügend erfüllt.

Für den Historiker Niall Ferguson sind Finanzmärkte jedoch weitaus mehr als Reviere für die Jagd nach dem schnöden Mammon. Der Harvard-Professor hält Finanzinnovationen für einen wesentlichen Motor des Fortschritts, ohne den die Welt es nie zum heutigen Wohlstand gebracht hätte. Ob im antiken Babylon, in der italienischen Renaissance oder beim Aufstieg Amerikas - überall hätten Kreditprodukte eine entscheidende Rolle gespielt.

Auch der Ökonom Robert Shiller hält Finanzinnovationen zur Lösung etwa der Alterssicherung für unverzichtbar und warnt davor, jegliche Verbriefung von Schuldtiteln zu verteufeln. Wer jetzt an der neuen Finanzarchitektur bastelt, sollte zuerst nach einer abschließenden Antwort zur Streitfrage von Galbraith und Ferguson suchen.

riecke@handelsblatt.com

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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