Rieckes Rückfrage
Schweizer unter sich

Gesprächsthema Nummer eins bei den Bankern an der Bahnhofstraße in Zürich ist ausnahmsweise einmal nicht die UBS. Vielmehr mokieren sich die Schweizer über ihren Landsmann Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank.

Dass Ackermann eine staatliche Finanzhilfe rundheraus ablehnt und sie sogar als Makel für jeden ehrbaren Banker abqualifiziert, darüber schütteln die Eidgenossen nur den Kopf. Nach ihrer Meinung kann die Deutsche Bank mit ihrer riesigen Bilanzsumme und einer Kernkapitalquote von zuletzt „nur“ 10,3 Prozent in einer Welt nicht mehr mithalten, in der Sicherheit und Kapitalstärke die obersten Gebote sind.

Dass die Uhren in der Alpenrepublik anders und nach Meinung der Schweizer genauer ticken, hat jetzt die Regierung in Bern mit noch einmal unterstrichen. Die ohnehin bereits hohen Eigenkapitalanforderungen für die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse werden noch einmal verschärft. Bereits heute müssen die Züricher Kreditriesen mehr Eigenmittel vorhalten als nach den Basel-II-Vorschriften erforderlich ist. Damit alle Welt weiß, dass sich die Schweizer Banken in ihrer Solidität von niemanden übertreffen lassen, nennen sie ihr Pflichtprogamm das „Swiss Finish“.

Wohin die Reise gehen wird, hat die Credit Suisse bereits durchblicken lassen. Mit einer Kernkapitalquote von 13,7 Prozent erfüllt sie nach ihrer Kapitalerhöhung bereits die neuen Vorgaben der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK).

Das ist den Schweizer Finanzwächtern aber noch nicht genug. die EBK wird den beiden Großbanken zusätzlich einen Verschuldungsgrad vorschreiben. Mindestens drei bis vier Prozent der Bilanzsumme muss das Kernkapital betragen. Die UBS ist noch ein gutes Stück davon entfernt, die Credit Suisse liegt knapp oberhalb der Drei-Prozent-Marke. Die Deutsche Bank wies nach einer Studie von JP Morgan im Oktober einen Satz von lediglich gut 1,5 Prozent auf. Um auf das Schweizer Niveau zu kommen, müsste Ackermann entweder seine Bilanzsumme drastisch verkleinern oder seine Kapitalbasis beträchtlich stärken. Beides erscheint derzeit nahezu unmöglich.

So rätselt man in Zürich weiter über den Eidgenossen im fernen Frankfurt. Liegen hier die Verwunderung und der Neid der Konkurrenten nah beieinander?

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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