RIECKES RÜCKFRAGE
Staatliche Umleitung

Plan A liegt vor. Jetzt brauchen wir Plan B. Mit ihrem Vorhaben, die Bilanzen der amerikanischen Banken von illiquiden Papieren im Wert von rund einer Billion Dollar zu säubern, hat die US-Regierung endlich Bewegung in das festgefahrene Krisenmanagement gebracht. Dabei ist der Gedanke gar nicht neu, sondern stand bereits Pate für den sogenannten Paulson-Plan vom vergangenen Jahr.

Auch der damalige US-Finanzminister hatte bereits begriffen, dass die Krise ohne ein Großreinemachen bei den Banken nicht in den Griff zu kriegen ist. Sein Nachfolger Geithner fängt die Sache nur geschickter an und nimmt private Investoren mit ins Boot.

Damit wir uns aber nicht permanent im Kreis drehen, muss der Geithner-Plan dringend ergänzt werden. Und jetzt wird die Sache nicht nur schwierig, sondern politisch heikel. Es ist nämlich absehbar, dass die Banken ihre momentan unverkäuflichen Kreditprodukte nur mit weiteren hohen Abschlägen loswerden.

Reinen Tisch haben bislang nur wenige Brokerhäuser wie Goldman Sachs und Morgan Stanley gemacht. Bei den meisten anderen Banken stehen die Altlasten noch zu überhöhten Buchwerten in der Bilanz. Der Grund dafür ist leicht auszumachen: einen weiteren Abschreibungsschock würden viele Kreditinstitute nicht überleben. Ihre Kapitalbasis ist bereits so ausgedünnt, dass sie mit einem Bein im Grab stehen.

So besteht die Gefahr, dass die Banken beim Geithner-Plan entweder nicht mitziehen oder aber Konkurs anmelden müssen. Die US-Regierung wird deshalb nicht umhinkommen, die Banken zum Verkauf ihrer Altlasten zu zwingen und ihnen gleichzeitig weitere Kapitalhilfen gegen Aktienanteile anzubieten. Die Folge könnte sein, dass der Staat bei einer Reihe von Instituten die Mehrheit übernimmt.

Kritiker des Geithner-Plans fragen deshalb zu Recht, ob man mit einer direkten Verstaatlichung nicht schneller, einfacher und vor allem billiger zum gleichen Ergebnis kommen würde. Übernimmt der Staat sofort die Regie bei den nicht mehr lebensfähigen Finanzhäusern, kann er die Altlasten auf null abschreiben und neue, gesunde Banken unbelastet wieder in die Freiheit des Marktes entlassen. Dass die US-Regierung vor diesem radikalen Schritt zurückschreckt, hat politische Gründe. Die staatliche Umleitung ist ausgeschildert. Aber sollten wir nicht besser geradeaus fahren?

riecke@handelsblatt.com

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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