Rieckes Rückfrage
Trügerischer Optimismus

Alle sprechen vom Frühling der Banken, nur die UBS nicht. Auch wenn die Frühlingsgefühle der anderen trügerisch sein mögen, fällt doch auf, dass die immer noch größte Bank der Schweiz im Moment wie die große Verliererin der Finanzkrise dasteht. Insbesondere im Vergleich mit der direkten Konkurrentin.

Alle sprechen vom Frühling der Banken, nur die UBS nicht. Auch wenn die Frühlingsgefühle der anderen trügerisch sein mögen, fällt doch auf, dass die immer noch größte Bank der Schweiz im Moment wie die große Verliererin der Finanzkrise dasteht. Insbesondere der Vergleich mit der direkten Konkurrentin Credit Suisse ist niederschmetternd. Ob beim Gewinn, der Kernkapitalquote oder bei der Marktbewertung - überall hat die CS die große Erzrivalin in der Züricher Bahnhofsstraße um Längen überholt.

Die scheinbar endlose Misere der UBS hinterlässt auch bei ihren Aktionären deutliche Spuren. Die laute Wut über die Unfähigkeit des früheren Managements ist einer stillen Resignation gewichen. Der Niedergang der Schweizer Bankenikone scheint unabwendbar. "Wir müssen schrumpfen, bevor wir wieder wachsen können", hat der neue UBS-Chef Oswald Grübel kürzlich auf der Hauptversammlung gesagt. Folgerichtig befindet sich die Großbank auf allen Geschäftsfeldern auf dem Rückzug. Dass man sich jetzt selbst aus Wachstumsmärkten wie Brasilien zurückziehen muss, ist kein gutes Zeichen für die Zukunft. Nur in den USA wächst das Geschäft mit der Vermögensverwaltung noch. Viel Geld verdient die UBS damit jedoch nicht.

Was jedoch auf den ersten Blick wie ein Einzelfall aussieht, ist in Wahrheit eine weitverbreitete Misere. Tatsache ist, dass alle Banken ihre Hausaufgaben längst noch nicht erledigt haben. Bei Goldman Sachs, Credit Suisse und der Deutschen Bank sind es die erheblichen Handelsrisiken. Bei der Citigroup und Bank of America ist es das Ausfallrisiko von Firmen- und Verbraucherkrediten.

Am Ende dieser Woche sollten wir deshalb weniger die aufpolierten Ergebnisse der Großbanken in Erinnerung behalten, sondern die Hiobsbotschaft des Internationalen Währungsfonds. Von den gut vier Billionen Dollar, die nach konservativen Schätzungen des IWF bis 2010 von Banken und Versicherungen abgeschrieben werden müssen, haben die Finanzinstitute erst rund 1,3 Billionen Dollar realisiert. Vor allem den europäischen Banken mit ihren hohen Kreditrisiken steht demnach eine Verlustwelle erst noch bevor. Kann es also sein, dass nach der UBS noch eine ganze Reihe von Hiobsbotschaften folgen?

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