Riesengroßes Potenzial
Freisprechanlagen: Hoffen auf den Alleskönner

Seit über einem Jahr ist es verboten - viele tun es trotzdem: Das Handy am Steuer gehört in Deutschland noch immer zum Alltag. Dabei riskieren Telefonsünder nicht nur ein Bußgeld von 30 Euro, sondern auch ihren Versicherungsschutz, wenn sie mit dem Handy in der Hand einen Unfall bauen.
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DÜSSELDORF. Und nach einer britischen Studie ist das Telefonieren im Auto sogar gefährlicher als die Fahrt in alkoholisiertem Zustand - bei Tests am Fahrsimulator reagierten telefonierende Fahrer um ein Drittel langsamer als betrunkene Probanden. Dennoch: "Die Leute sehen das einfach nicht ein", bedauert ADAC-Sprecher Maximilian Maurer.

Im Auto ist das Telefonieren nur noch mit einer Freisprechanlage erlaubt. Dennoch schätzen Experten, dass bisher erst 10 bis 15 Prozent der deutschen Fahrzeuge mit einer Freisprechanlage ausgerüstet sind. Michael Zander, Marketingleiter beim Funkwerk Dabendorf, einem der führenden deutschen Hersteller: "Das Potenzial ist riesengroß." Doch der Markt entwickelt sich nicht so rasant wie erhofft.

Deutlich abgeflaut

Zwar schossen die Geräteverkäufe mit dem Handyverbot kurzfristig in die Höhe. Die Nürnberger GfK ermittelt für Februar/März 2001 einen um 62 Prozent höheren Absatz von Freisprechanlagen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Aber inzwischen ist der Freisprechboom schon wieder deutlich abgeflaut: Anfang dieses Jahres lagen die Verkäufe um fast 20 Prozent unter Vorjahr. Zudem beobachtet GfK-Experte Albert Raab "eine Verschiebung der Verkäufe hin zu preiswerteren Plug-in-Lösungen".

"Der Markt polarisiert", sagt Funkwerk-Manager Zander, "die Mitte bricht weg." Soll heißen: Die Leute greifen entweder zum billigen Stöpselpaket von der Tankstelle oder sie entschließen sich zum Einbau einer teuren, festinstallierten Anlage mit Außenantenne und Lautsprecher. Und nur die macht für alle, die häufiger und auch bei höheren Geschwindigkeiten im Auto telefonieren wollen, überhaupt Sinn. "Billigmodelle taugen nichts", lautet das kategorische Fazit der jüngsten Stiftung-Warentest-Untersuchung. Für eine gute Anlage werden aber mindestens 200 Euro fällig; der Einbau in der Werkstatt kostet zusätzlich noch mal rund 150 Euro. Dafür gibt es nicht nur perfekte Sprachqualität, sondern auch Features wie automatische Rufannahme und Radiostummschaltung oder einen Datenanschluss für Notebook oder Organizer. Am sichersten fährt man mit Modellen, die per Sprachbefehl gesteuert werden. Bequem ist auch eine Lenkrad-Fernbedienung.

Mühelos angepasst

Waren die Anlagen bisher meist an ein bestimmtes Handymodell gekoppelt, sind jetzt auch Universalgeräte am Markt, die sich per Adapter mühelos an ein neues Mobiltelefon anpassen lassen. Allerdings lassen sich solche Anlagen derzeit nicht per Sprachsteuerung bedienen. Die ersten sprachgesteuerten Alleskönner sollen im Herbst auf den Markt kommen. Zander: "Das wird dem Geschäft einen ordentlichen Schub bringen."

Doch auch mit der besten Freisprechanlage bleibt das Telefonieren im Auto ein Sicherheitsrisiko. So muss nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt ein Fahrer, der bei Tempo 120 auf der Autobahn seine Freisprechanlage bedienen wollte und so einen Unfall verursachte, den Schaden selbst bezahlen.

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