Riesenslalom der Männer
Eberharter holt endlich Gold

Happy End für Stephan Eberharter: Im dritten Anlauf hat der viel kritisierte Olympia-Favorit aus Österreich mit einer Klasse-Vorstellung doch noch seine heiß ersehnte Goldmedaille abgeholt. Der dominierende Skirennläufer im Weltcup - bei Olympia von seinen Landsleuten schon als "Ersatzkaiser" geschmäht - triumphierte im Riesenslalom. US-Held Bode Miller holte Silber vor dem Norweger Lasse Kjus.

HB/dpa SALT LAKE CITY. "Das ist das Sahnehäubchen", jubelte Eberharter nach seinem letzten Olympia-Auftritt. "Ich bin überglücklich. Das war meine letzte Chance, bei Olympia Gold zu holen", so der glückliche Sieger weiter.

In Abwesenheit des verletzten Doppel-Olympiasiegers Hermann Maier ließ der Tiroler die bislang von ihren Ski-Helden enttäuschte Öffentlichkeit ausgerechnet in seiner nur drittbesten Disziplin über das zweite Gold für das rot-weiß-rote Alpin-Team jubeln. Nach Bronze in der Abfahrt und Silber im Super-G hatte Eberharter die Rolle des Verlierers gedroht. "Das glaubt mir jetzt niemand: Ich habe mich heute Morgen total müde gefühlt. Ich war unheimlich locker und hatte keinen Stress", sagte der Doppel-Weltmeister von 1991, obwohl der öffentliche Druck auf den 32-Jährigen riesig war. "Das ist eine der größten Leistungen im Skisport überhaupt", lobte Österreichs Alpinchef Hans Pum den Sieger: "Er hat die Grundlage im oberen Teil gelegt und ist hervorragend gefahren, obwohl er heute Morgen schwere Beine hatte."

Während der Deutsche Skiverband (DSV) acht Jahre nach Markus Wasmeiers Triumph in Lillehammer auf dem "CB's Run" in Park City nicht vertreten war, siegte der schon nach dem ersten Durchgang überlegen führende Eberharter mit 0,88 Sekunden Vorsprung vor Publikumsliebling Miller. Der Amerikaner hatte sich unter dem Jubel der Zuschauer von Rang sieben auf den Silber-Platz nach vorne gekämpft. Als Dritter sicherte sich Lasse Kjus seine insgesamt 15. Medaille bei einem Großereignis.

Österreich hat nun sechs alpine Herren-Medaillen in Salt Lake City auf dem Konto. Bei der "Skination Nr. 1" (so Verbandspräsident Peter Schröcksnadel) hatte sich öffentlicher Olympia-Frust ausgebreitet, nachdem zunächst nur ein Mal Alpin-Gold durch Fritz Strobl in der Abfahrt gewonnen wurde. Vor allem von Eberharter, der den Weltcup dominiert und insgesamt neun Saisonsiege gefeiert hatte, war in der Alpenrepublik mehr erwartet worden. Der beste Skifahrer des Winters musste Schlagzeilen lesen wie: "Der Ersatzkaiser ist keiner und bleibt ein Prinz."

Richtig bitter ist die Situation in der einst zweiten Ski- Großmacht Schweiz, nachdem auch Hoffnungsträger Didier Cuche am Donnerstag kein Edelmetall holte. Erstmals seit 1964 in Innsbruck droht das eidgenössische Alpin-Team medaillenlos zu bleiben. Statt Erfolgen gibt es Streit und Kritik an den Trainern. Aus dem deutschen Team war sogar niemand dabei. Keine andere Disziplin verdeutlich die Krise der DSV-Herren so extrem wie der Riesenslalom. In keinem der sieben Weltcup-Rennen hatte ein Starter eine Platzierung unter den Top 30 geschafft.

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