Riester-Produkte lahmen
Röster-Rente im Schlussverkauf

Das Geschäft mit der Riester-Rente lahmt. Dabei geht kein Weg an privater Vorsorge vorbei. Wir stellen Ihnen die Konzepte vor, die sich zur Zeit am Markt befinden und nennen Ihnen Vor- und Nachteile.

DÜSSELDORF. Riester-Rente im Schlussverkauf: Wer über das Internet-Portal Amazon.de eine Police der Hannoverschen Leben abschließt, bekommt einen Bonus von 20 Euro. Hannoversche-Chef Eckart v. Uckermann: "Der Erfolg gibt uns recht." Konkurrent Axa verkauft sogar Verträge in den Filialen des Kaffee-Rösters Tchibo. Cosmos-Policen gibt?s an Jet-Tankstellen, und die Ergo-Versicherungsgruppe kooperiert mit Karstadt-Quelle.

Auf den traditionellen Außendienst wollen sich die Versicherer also nicht mehr allein verlassen. Verkrustete Vertriebsstrukturen werden überall dort aufgebrochen, wo "die Marken zueinander passen", sagt Axa-Direktor Manfred Jestel. In die gleiche Richtung denken auch andere Versicherer. So gibt es schon recht fortgeschrittene Überlegungen, als Risikoträger bei Reisebüros, bei Kreditkarten-Organisationen und bei Bekleidungshäusern zu agieren. Motto: Über wen wir verkaufen, ist uns gleichgültig. Hauptsache, der Umsatz steigt.

Das muss er auch, denn bislang verkaufen sich die hochgelobten Riester-Policen extrem schlecht. Gerade mal 1,5 Millionen Verträge sind derzeit bei Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften unterschrieben. Das entspricht gerade mal fünf Prozent des betroffenen Bevölkerungskreises. Deswegen setzt Joachim Faber, Vorstand der Allianz Leben, "auf den Schub im dritten und vierten Quartal".

Anspruch auf staatliche Förderung haben grundsätzlich alle Arbeitnehmer. Selbstständige bekommen nichts, es sei denn, ihr Partner ist rentenversicherungspflichtig beschäftigt. Dazu reicht aus, wenn die Ehefrau mit einem Ehegatten-Arbeitsvertrag in der Firma des Mannes arbeitet. Drei Gruppen werden besonders bevorzugt: Kinderreiche, Geringverdiener und - paradoxerweise - Spitzenverdiener, die über den Sonderausgabenabzug kräftig Steuern sparen können. Ledige Durchschnittsverdiener müssen dagegen genau rechnen, ob der Abschluss überhaupt lohnt. Sie bekommen so geringe Zuschüsse, dass der Nachteil der Riester-Renten - ihre geringe Performance im Vergleich zu normalen Fondssparplänen oder Renten-Policen - kaum aufgewogen wird.

Trotz teilweise üppiger Förderquoten halten sich die Bundesbürger zurück. Dafür gibt es mehrere Gründe. So ist den meisten immer noch nicht klar, wie das komplizierte System aus Grundzulagen, Kinderzulagen und Sonderausgabenabzug wirkt. Viele schieben die Entscheidung auf die lange Bank, weil ein Abschluss bis Ende dieses Jahres ausreicht, um in den Genuss der Förderung zu gelangen. Und nachdem es anfangs kaum zertifizierte und zugelassene Produkte gab, sind plötzlich mehr als 3.200 Varianten auf dem Markt. Und die lassen sich nur schwer miteinander vergleichen, denn Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften haben ihre Produkte mit unterschiedlichen Konzepten förderfähig gestaltet.

Versicherungen

Drei Produktlinien werden offeriert:
Konventionelle Rentenversicherung
Fondsgebundene Rentenversicherung
Beide funktionieren im Prinzip wie die Nicht-Riester-Varianten. Besonderheit: Kosten-Transparenz und Beitrags-Garantie. Wer kündigt, bekommt zumindest den Einsatz zurück. Das gilt grundsätzlich für alle Riester-Produkte.
Neue Hybrid-Produkte:
Eine Kombination aus klassischem und fondsgebundenem Rententarif. Ein Teil des laufenden Beitrags fließt dabei in die sichere Rentenpolice, der andere Teil in einen Investmentfonds.

Banken

Vier Modelle bieten die Banken an:
Verzinsliche Ansammlung: Die regelmäßigen Sparleistungen werden zu langfristig geltenden Konditionen verzinst und dann bei Fälligkeit in einen Auszahlplan umgewandelt.
Bonus: Variante der verzinslichen Ansammlung nach dem Vorbild der vermögenswirksamen Leistungen. Wer durchhält, bekommt einen Bonus.
Referenzzins: In diesem Modell richtet sich die Zinshöhe nach dem im Vertrag näher bezeichneten Referenzzins. Das kann der Spareckzins sein oder beispielweise auch der Zins, mit dem sich die Geldinstitute bei der Bundesbank refinanzieren.

Staffelzins: Der Zinssatz steigt nach einem vorher vertraglich vereinbarten Muster. Beispiel: Im ersten Jahr beträgt er 2,5 Prozent, ab dem 5. Jahr 3,0 Prozent und ab dem 15. Jahr der Kapitalanlage 4,0 Prozent.

Investmentgesellschaften
Erst nach Lockerung der EigenkapitalRichtlinien stiegen die vier großen deutschen Anbieter Adig, Deka, Dit und DWS in das Geschäft mit den Riester-Produkten ein - alle mit der erforderlichen Zertifizierung. Dabei lassen sich bislang zwei Konzepte unterscheiden:
Hybridprodukte: Ähnliche Angebote wie bei Versicherungen, also Kombinationen aus Fondssparplan und Rentenversicherung.

Staffelprodukte: Je nach Lebensalter und Laufzeit liefern unterschiedliche Fonds die Basis. In jungen Jahren dominiert der Aktienfondsanteil (bis 80 Prozent), der additive Rentenfondsanteil, der auch für die Erfüllung der Beitragsgarantie vorrangig sorgt, bleibt dagegen klein. Mit zunehmender Laufzeit und/oder Abschlussalter steigt der Anteil der festverzinslich basierten Fondsanteile.
Bei allen Fondsangeboten ist die Auswahl zwischen den offerierten Fonds recht eingeschränkt. In der Auszahlungsphase lassen Bank- und Fondsanbieter bis zum 85. Lebensjahr einen Teil des angesammelten Kapitals zurückfließen. Der Rest wird in eine Rentenversicherung eingezahlt.

Welches Produkt am besten zu Ihnen passt, hängt ab von Alter, Förderung, Risikoneigung und Steuersituation. Die Ergebnisse des ersten Riester-Ratings zeigen die Unterschiede auf. Die Pole-Position erreicht die Cosmos. Grund: hohe Rendite-Erwartungen, niedrige Kostenquoten und konstant gute Geschäfts-Kennzahlen und Service-Noten. Knapp dahinter folgen die Renten-Produkte der Süddeutschen und von Gerling mit jeweils 75 Gesamtpunkten. Auf den Plätzen finden sich Anbieter wie der Deutsche Ring, Hannoversche Leben, Gothaer oder Citi-Versicherung. Deren Leistung muss aber keineswegs die rote Laterne darstellen - weil viele Gesellschaften sich schlicht geweigert haben, entsprechende Angaben zu machen. Die konnten deswegen auch nicht bewertet werden.

Das exklusive Rating finden Sie im Mai-Heft des DMEuro-Magazins.

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