Rinderrückgrat könne trotzdem in die Nahrungskette gelangen
BSE-Bestimmung der EU sei unsicher

In der Europäischen Union (EU) gibt es Befürchtungen, dass Stücke von Rinderrückgrat trotz eines weitgehenden Verwendungsverbots weiterhin in die Lebensmittelkette gelangen könnten.

Reuters BRÜSSEL. Die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Europäischen Parlament, Dagmar Roth-Behrendt, sagte am Donnerstag in Brüssel, es sei weiter nicht sicher, dass Rückgrat nicht in Nahrungsmittel gelange. In Rückenmark und Hirn konzentrieren sich bei BSE-infizierten Rindern die Krankheitserreger. Der Ständige Veterinärausschuss der EU hatte sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, dass Rückgrat in zehn Staaten der EU ab April aus geschlachteten Rindern entfernt werden soll, aber gleichzeitig offen gelassen, ob dies im Schlachthaus oder beim Metzger geschehen soll.

Roth-Behrendt nannte dies eine "Alibi-Entscheidung ohne Hand und Fuß". Wenn das Rückgrat als Risikomaterial identifiziert werde, müsse es im Schlachthof entfernt und dann verbrannt werden, um auszuschließen, dass es in die Lebensmittelkette gelange. Werde es in einigen Ländern dagegen erst vom Metzger entfernt, sei völlig unklar, was mit dem Risikomaterial geschehe - und ob das verkaufte Fleisch nicht etwa mit Knochensplittern verseucht werde.

T-Bone-Steaks sollen verboten werden

Der Ständige Veterinärausschuss hatte nach einem entsprechenden Grundsatzbeschluss der EU-Agrarminister am Mittwochabend einer Vorlage der EU-Kommission zugestimmt, den Verkauf von T-Bone-Steaks in zehn EU-Ländern, darunter auch Deutschland, von April an zu untersagen. Stücke des Rückgrats von Rindern, die älter als zehn Monate sind, dürfen in diesen Ländern dann nicht mehr in den Verkauf gelangen. Es bleibt offen, ob diese im Schlachthof oder beim Metzger entfernt werden. Für Metzger sei es aber nur schwer nachzuvollziehen, ob angeliefertes Fleisch von Rindern stamme, die älter als zehn Monate seien, kritisierte Roth-Behrendt. Eine Sprecherin von EU-Gesundheitskommissar David Byrne sagte dazu, wer sich mit Fleisch auskenne, könne den Altersunterschied feststellen, da das Fleisch von Rindern unter zehn Monaten heller sei.

Auch in der Fleischindustrie wurde Kritik laut. Zwischen den einzelnen EU-Ländern könnten sich Wettbewerbsverzerrungen ergeben, da die Entfernung des Rückgrats bereits im Schlachthof teurer sei, sagte ein Sprecher des europäischen Fleischhandelsverbands UCBV. Es sei etwa möglich, dass Exporteure aus einem EU-Land Rindfleisch nicht mehr ohne weiteres in ein anderes ausführen könnten, wenn in beiden Ländern unterschiedliche Regelungen für die Entfernung des Rückgrats vorgesehen seien.

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