Ring um "Staatsfeind Nummer eins"zieht sich enger
Mit Geld und Bomben soll bin Laden gefunden werden

Die Hauptstadt Kabul ist erobert, die Herrschaft der Taliban in Afghanistan scheint gebrochen - doch der mutmaßliche Terroristenführer und Drahtzieher der Anschläge vom 11. September ist noch nicht aufgespürt. Mit Hochdruck versuchen US-Spezialkräfte, den Ring um Osama bin Laden enger zu ziehen. Fieberhaft wird auch nach Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar gesucht, der sich bis zuletzt weigerte, bin Laden an die USA auszuliefern.

ap WASHINGTON. Nach der Eroberung großer Landesteile durch die Nordallianz haben sich die beiden wahrscheinlich in ein System unterirdischer Höhlen und Verstecke in den Bergen geflüchtet. Amerikanische Spezialeinheiten befragen nun Taliban-Überläufer und gefangen genommene Mudschahedin, locken für wichtige Aussagen mit Geld und hoffen so, an den entscheidenden Hinweis zu kommen. Kampfflugzeuge bombardieren verstärkt Verstecke in den Bergen, in die sich Bin Laden und Omar wahrscheinlich abgesetzt haben.

"Wir haben noch ein Stück Weg vor uns", bekannte am Mittwoch auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass sich bin Laden und Omar noch immer in Afghanistan aufhalten. Wahrscheinlich befinden sie sich aber an verschiedenen Orten. Noch am Mittwoch erklärte ein Taliban-Vertreter, Omar und sein "Gast" bin Laden seien in Sicherheit und es gehe ihnen gut. In einer Radioansprache erklärte Omar am Dienstag, er halte sich in Kandahar auf, der im Süden gelegenen Hochburg der Taliban.

Die beste Möglichkeit, bin Laden zu fangen, liege bei Taliban-Abtrünnigen, prophezeit ein US-Geheimdienstexperte, der nicht namentlich genannt werden will. Selbst Gerüchte oder Hinweise auf Versorgungswege könnten von Nutzen sein. "Es kann sehr gut möglich sein, dass an einigen Punkten auch Geld zum Reden ermuntert", sagte Rumsfeld. Hinzu kommt, dass fliehende Taliban ihre Funk- und Telefonverbindungen vielleicht nicht mehr so sorgfältig abschirmen wie bisher und den Amerikanern so die Möglichkeit eröffnen, Hinweise auf ihren Aufenthaltsort zu erlangen. US-Spezialeinheiten überwachen zudem nach Rumsfelds Worten die Straßen in Südafghanistan und werden jeden stoppen, bei dem sie es für nötig halten.

Umgeben von einer kleinen Gruppe treu Ergebener

Bin Laden, so wird vermutet, bewegt sich in einem Höhlensystem von Versteck zu Versteck. Er umgibt sich nur mit einer kleinen Gruppe absolut loyaler Vertrauter. Schicksalsfrage für ihn wird sein, wie viel Unterstützung er unter Anhängern noch mobilisieren kann. Womöglich zerfällt die bisherige Front der Taliban, indem sich einzelne Kommandeure der Nordallianz anschließen, andere zum Guerillakrieg rüsten. Möglich erscheint, dass sich viele Taliban nach Pakistan absetzen, wo sie nach wie vor viele Sympathisanten haben. Von dort aus könnten dann Omar und bin Laden wieder Lebensmittel und Waffen beziehen.

Obwohl Rumsfeld bereits Spannungen zwischen Omar und bin Laden ausgemacht haben will, gilt es als unwahrscheinlich, dass sich der Taliban-Führer von seinem Schwiegervater distanzieren wird. In seinem jüngsten Interview sagte bin Laden, er sei bereit zu sterben. Der Krieg gegen Amerika werde aber auch nach seinem Tod weitergehen, prophezeite er.

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