Ringen um den Ferienflieger
LTU-Piloten wollen auf zehn Prozent Gehalt verzichten

Der Handelskonzern will offenbar nicht mehr Geld in die angeschlagene Fluggesellschaft schießen.

ap DÜSSELDORF. Im Ringen um die Rettung des Ferienfliegers LTU sind die Piloten bereit, unbefristet auf rund zehn Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Dies habe man bereits vor dem Krisengespräch am Freitag in Düsseldorf Rewe-Vorstandschef Hans Reischl gegenüber erklärt, sagte Michael Tarp vom Vorstand der Vereinigung Cockpit (VC) am Montag in Düsseldorf. "Wir haben kein Interesse am Untergang des Charterfliegers." Er kritisierte, dass Reischl das Angebot der VC offensichtlich nicht an die LTU-Geschäftsleitung weitergetragen habe.

Verzicht auf halbes 13. Gehalt

Nach den Worten von Tarp beträgt das durch die Piloten bis 2004 zu erbringende Volumen zum Sanierungs-Plan der LTU zwischen 59 und 65 Millionen Mark. Darin enthalten sei auch der Verzicht auf ein halbes 13. Gehalt sowie der Wegfall der Zuschüsse zum Urlaubsgeld. Dabei sei nach wie vor nicht auszuschließen, dass der Charterflieger in Konkurs gehen könnte, sagte der Gewerkschafter.

LTU erklärte, sie sei nicht in der Lage, den Piloten eine uneingeschränkte Beschäftigungsgarantie und Festschreibung der Anzahl der Piloten zuzusichern. Nicht akzeptabel sei das Angebot der Tarifkommission Cockpit, die bisher garantierten 75 Flugstunden pro Monat auf 65 Flugstunden absenken zu wollen. Die LTU-Piloten fühlen sich in der Diskussion um die Rettungspläne für die Chartergesellschaft laut Tarp "im Nebel". Der Gewerkschafter kritisierte, dass seine Organisation nach dem ersten ergebnislosen Krisengipfel um die Zukunft der LTU am Freitag nicht über die Verhandlungen informiert worden sei. "Als Tarifkommission wissen wir nicht, wer mit wem über die Rettungsversuche spricht", beklagte Tarp.

Nach seinen Worten wird die LTU als Folge der Anschläge vom 11. September im Winterflugplan Einbrüche von 15 bis 30 Prozent hinnehmen müssen. In dem Zusammenhang befürchtete er Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über betriebsbedingte Kündigungen. Zugleich rief er alle Beteiligten auf, in ihren Bemühungen zur Rettung der LTU nicht nachzulassen. "Es macht Sinn, in die LTU zu investieren", sagte Tarp.

Weitere Verhandlungen in dieser Woche

Derweil schloss Rewe-Chef Reischl ein langfristiges finanzielles Engagement des Kölners Handelsriesen bei der Rettung der LTU aus. "Das würde uns überfordern. Wir können unser Kerngeschäft nicht in Gefahr bringen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Rewe ist nach der Swissair-Insolvenz mit 40 Prozent der größte Einzelaktionär der LTU.

Reischl betonte, es müsse rasch eine Lösung für die Fluggesellschaft gefunden werden, da die Liquidität des Unternehmens längstens bis Ende November reiche. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen knüpft ihre Bereitschaft zur Gewährung einer Rettungsbürgschaft über rund 300 Millionen Mark an einen Investor.

Laut Reischl wird sich Rewe einer Rettungsaktion für die LTU nicht in den Weg stellen. Es müsse aber der Fortbestand der Fluggesellschaft durch ein Restrukturierungskonzept gesichert sein. "Wir haben uns verpflichtet, für zehn Jahre die Auslastung der LTU zu garantieren, nicht aber die Verluste auszugleichen", erklärte Reischl.

Ein erstes Krisengespräch zwischen der NRW-Landesregierung, Banken, Eignern und der LTU-Führung war am Freitag ohne konkretes Ergebnis geblieben. Für diese Woche wurden weitere Verhandlungen vereinbart.

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