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Ringen um Karstadt-Quelle geht weiter - Verhandlungen laufen

Im Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns hat das Unternehmen mit einzelnen Aktionären verhandelt, die sich der angestrebten Kapitalerhöhung widersetzen.

dpa-afx ESSEN. Im Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns hat das Unternehmen mit einzelnen Aktionären verhandelt, die sich der angestrebten Kapitalerhöhung widersetzen. Ein Konzernsprecher bestätigte am Mittwoch in Essen, dass Gespräche geführt würden, wollte aber weder etwas zum Personenkreis noch zum Inhalt sagen.

Mit ihren bei der Hauptversammlung am vergangenen Montag eingelegten Widersprüchen blockieren die Aktionäre derzeit die dringend benötigte Kapitalerhöhung des Konzerns um 500 Mill. Euro. Falls bis zum Freitag keine Lösung gefunden werden kann, droht der Kapitalerhöhung und damit dem gesamten Sanierungskonzept des ums Überleben kämpfenden Warenhausriesen das Aus. Der Vollzug der Kapitalerhöhung ist wegen des drastisch geschrumpften Eigenkapitals überlebenswichtig - und außerdem Voraussetzung für die unter dieser Bedingung zugesagte Verlängerung der Kreditlinien über 1,75 Mrd. Euro für drei Jahre.

Betriebsrat Rechnet MIT Einigung

Der Betriebsratsvorsitzende des Essener Konzerns, Wolfgang Pokriefke, ist überzeugt, dass in den Verhandlungen rechtzeitig ein Ergebnis gefunden werden könne. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein paar Kleinaktionäre so verrückt sein können, 100 000 Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzten", sagte Pokriefke, der auch Mitglied des Karstadt-Quelle-Aufsichtsrats ist. Derzeit laufe ein "unwürdiges Schauspiel" ab, sagte er dpa.

Auch bei der Fusion mit der Warenhauskette Hertie habe es ein vergleichbares "Theater" gegeben, in dem es den Aktionären nur um eigene Gewinne gegangen sei, sagte Pokriefke im Deutschlandradio Berlin. "Letzten Endes kam es denen nur darauf an, Geld abzuzocken." Der Betriebsratsvorsitzende sprach sich dafür aus, diesen Aktionären Geld für ihre Zustimmung anzubieten.

Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff hatte sich zuvor ebenfalls optimistisch über eine Lösung des Konflikts geäußert. er sei sicher, dass fristgerecht ein einvernehmen mit den oppositionellen Aktionären erzielt werden könne.

Aktionärsschützer Wehren Sich Gegen Vorwürfe

Aktionärsschützer haben unterdessen Vorwürfe zurückgewiesen, bei der Blockade der Kapitalerhöhung für den Karstadt-Quelle-Konzern gehe es ihnen um finanzielle Vorteile. "Das ist eine nackte Unverschämtheit", sagte Leonhard Knoll vom Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA) in Würzburg. Der VFA vertritt mehrere Kleinaktionäre, die der Kapitalerhöhung widersprochen haben. Der Einspruch sei ein rein formaler Akt, mit dem Kleinaktionäre ihre Rechte bei künftigen gerichtlichen Verfahren wahren wollten. "Auf keinen Fall haben wir die Sanierung von Karstadt-Quelle damit blockieren wollen." Zum Stand der Verhandlungen machte Knoll keine Angaben. Dies sei Sache des Konzerns.

Der Aktionär Rainer Johannes, der ebenfalls Widerspruch eingelegt hatte, erklärte am Mittwoch, er führe derzeit keine Gespräche mit dem Unternehmen. Konzernsprecher Howe hatte am Dienstag bereits dessen Widerspruch als "aus formalen Gründen nichtig" bezeichnet.

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