Risiken für Anleger
Frankfurter Börse lockert die Delisting-Regeln

Die Deutsche Börse in Frankfurt will die Delisting-Regeln lockern. Künftig kann ein Unternehmen ein Delisting beantragen, ohne den freien Aktionären ein Abfindungsangebot zu unterbreiten. Dies hat nach Informationen des Handelsblatts der Frankfurter Börsenrat beschlossen.

FRANKFURT/M. Dieser Schritt, der noch von der hessischen Börsenaufsicht abgesegnet werden muss, verschafft den Emittenten größere Freiheiten, birgt aber nach Ansicht von Fachleuten zugleich Risiken für Kleinanleger. "Aus Sicht der Anleger ist das ein Rückschritt", kritisiert Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Anleger laufen nämlich Gefahr, weniger Geld für Aktien zu erhalten oder auf Titeln sitzen zu bleiben, die an keiner Börse mehr gehandelt werden.

Die Änderung betrifft den § 54a der Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB). Bisher wurde ein Unternehmen auf eigenen Wunsch unter zwei Bedingungen vom Kurszettel gestrichen. Möglich war dies zum einen, wenn die Aktie weiterhin an einer anderen Börse gehandelt wird. Diese Regel bleibt bestehen und ist für Anleger unproblematisch: Sie können ihre Titel nach dem Delisting in Frankfurt einfach an einer anderen Börsen verkaufen. Möglich war ein Delisting bisher auch dann, wenn den Aktionären ein Kaufangebot für ihre Titel unterbreitet wurde. Dieser Passus fällt jetzt weg. Stattdessen wird eine Fristenlösung eingeführt, laut der die Zulassungsstelle der Börse eine Aktie auf Antrag eines Emittenten nach sechs Monaten vom Handel ausnehmen kann.

Relevant wird ein Delisting vornehmlich bei solchen Firmen, die von einem Großaktionär kontrolliert werden und nur einen geringen Streubesitz haben. Die Mehrheitseigner könnten geneigt sein, die Börsennotierung einzustellen, um die damit verbundenen Kosten zu sparen. Hauptversammlungen und Publizitätspflichten schlagen leicht mit Millionenbeträgen zu Buche. Nach dem neuen Übernahmegesetz können Großaktionäre mit einem Anteil von über 95 % im Zuge des so genannten "Squeeze out" die Restaktionäre auch gegen deren Willen gegen Zahlung einer Barabfindung aus dem Unternehmen drängen. Die neue Delisting-Regel der Börse schafft nun auch Spielraum für ein Delisting von Firmen mit einem Streubesitz von über 5 % - allerdings ohne die Pflicht zu einem Abfindungsangebot.

Deutsche Börse: Fristenregelung wahrt Anlegerschutz

Die Gefahr aus Sicht der Anleger besteht darin, dass nach der Ankündigung eines Delistings der Kurs fällt, da außer dem Hauptaktionär niemand mehr die Aktien haben will. Dies könnte dazu führen, dass die Anleger ihre Stücke nur zu niedrigen Preisen loswerden. Verkaufen sie nicht, bleiben sie auf Aktien sitzen, die nicht mehr börslich gehandelt werden.

"Die Neuregelung berücksichtigt die Interessen von Emittenten und Anlegern", erklärte die Deutsche Börse auf Anfrage. Die Fristenregelung wahre den Anlegerschutz, weil sie den Anlegern die Möglichkeit gebe, ihre Anteile zu verkaufen.

Außerdem erhält die Zulassungsstelle der Börse bei der Entscheidung über ein Delisting einen Ermessenspielraum. "Es bleibt aber abzuwarten, ob die Börse diesen Spielraum dazu nutzen wird, Delistings in Einzelfällen an zusätzliche Bedingungen zu knüpfen oder unter Umständen sogar abzulehnen", meint Tobias Bürgers von der Rechtsanwaltkanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. Grundsätzlich sei die Neuregelung aus Sicht der Emittenten zu begrüßen, weil sie ein Delisting auch ohne die Unterbreitung eines Kaufangebotes ermöglicht. Dennoch würden sich viele Firmen überlegen, den Kleinaktionären freiwillig ein Kaufangebot zu unterbreiten, da sie möglichst viele Titel übernehmen wollten.

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