Risiko eines Wechsels eher gering: Die Familie braucht Dich

Risiko eines Wechsels eher gering
Die Familie braucht Dich

Deutschland. Eine Wirtschaft baut ab, stellentechnisch gesehen. Aber eine Studie der Personalberatung Kienbaum beweist: Es gibt durchaus Unternehmen, die noch Jobs und Karrieren bieten - im Mittelstand, am besten bei inhabergeführten Familien.

Eigentlich dürfte in der aktuellen Konjunkturkrise niemand Esther Loidl um ihren Job beneiden. Die 30-Jährige ist Personalerin, und die sind in der Krise selten gut gelitten. Aus deren Abteilung kommen in diesen Tagen schließlich wenig schöne Briefe: Kündigungen wegen Rationalisierung oder Finanzengpass. Schnell sind dann die Perso-Mitarbeiter so verhasst wie sonst nur Controller. Bei Esther Loidl ist alles anders, auch heute noch. Spricht sie mit Kollegen aus anderen Unternehmen, würden die nur zu gern mit ihr tauschen. Das hört die Leiterin der Personalstrategie beim mittelständischen Autozulieferer Brose Fahrzeugteile aus Coburg immer wieder. Denn statt Mitarbeiter zu entlassen, darf Loidl im laufenden Jahr 250 neue einstellen. Der Zulieferer konnte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 1,5 Milliarden Euro vermelden und kaufte obendrein die Schließsystemsparte von Robert Bosch.

Das Familienunternehmenzu besetzen. Gesucht werden Ingenieure und Wirtschaftsingenieure mit internationaler Erfahrung für Entwicklung, Einkauf, Controlling und Fertigungstechnik.

Der Autozulieferer aus Coburg ist mit seinem starken Wachstum und seiner schnellen Ausbreitung nicht allein. Exklusiv für Handelsblatt Karriere & Management hat die Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International eine Liste von Unternehmen erstellt, die in Deutschland neue Mitarbeiter suchen und erfolgreich der Krise trotzen.

"Das ist im Moment leider nicht die Regel", gesteht Kienbaum-Partnerin Christina Langen. Denn auf breiter Front sieht die Lage gar nicht rosig aus: "Viele Kunden haben die Entscheidung über neue Mitarbeiter erst einmal zurückgestellt, oft bis ins zweite Halbjahr des Jahres." Vor allem Großunternehmen wollen noch mehr Leute entlassen. Bis zum Jahr 2005 wollen die deutschen Konzerne nach bisherigen Ankündigungen mehr als 100 000 Arbeitsplätze streichen. Für das laufende Jahr rechnet das Münchener type="unknownISIN" value="Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung eV">Ifo-Institut im Schnitt mit 4,2 Millionen Arbeitslosen.

Doch die Kienbaum-Liste beweist: Trotz der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt bieten sich bei mehreren expandierenden Unternehmen interessante Karrieremöglichkeiten. Die Erfolgsfirmen agieren in . Meist handelt es sich nicht um Konzerne, sondern um Mittelständler. Auf der Kienbaum-Liste finden sich Industrieunternehmen wie die Türhersteller Adeco und Dorma, die Autozulieferer Gustav Wahler und Hoerbiger, aber auch Dienstleister wie die Direktkrankenkasse BIG Gesundheit, die Deutsche Vermögensberatung, das Forschungszentrum Jülich und die Standard Life Versicherung.

Eines der prominentesten Unternehmen ist Boehringer Ingelheim, hinter Bayer die Nummer zwei unter Deutschlands Pharmaproduzenten. Boehringer gilt als wachstumsstärkstes Unternehmen seiner Branche in Europa. Die hauseigene Forschung soll sich für das Familienunternehmen auch in den kommenden Jahren mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten auszahlen. Der tiefen Krise der Pharmabranche zum Trotz will Boehringer allein in Deutschland in diesem Jahr über 300 Millionen Euro investieren. Karrieremöglichkeiten bieten sich am Stammsitz des Unternehmens in Ingelheim sowie im baden-württembergischen Biberach. An beiden Standorten sollen in den nächsten Jahren mehrere hundert neue Arbeitsplätze entstehen. Gesucht: Naturwissenschaftler als Produktions- und Laborleiter sowie Verantwortliche für Qualitätskontrolle.

Ähnlich erfolgreich ist der Kölner Hotel Reservation Service (HRS). Obwohl mit seinen 140 Mitarbeitern wesentlich kleiner als der Pharmariese aus Ingelheim, wuchs er rasant. Schwung bekam HRS vor allem durch das zunehmende Online-Geschäft mit Geschäftskunden, die für ihre Mitarbeiter bei den Kölnern Hotelzimmer weltweit buchen. Dieses Jahr will HRS die Mitarbeiterzahl um bis zu zehn Prozent erhöhen - mit Führungskräften und Spezialisten für Vertrieb, Einkauf und Informationstechnologie.

Obwohl sich die erfolgreichen Unternehmen in ihrer Größe und Geschichte stark unterscheiden, haben sie eins gemeinsam: "Die meisten dieser Firmen führt der Inhaber selbst", beobachtet Kienbaum-Partnerin Langen. Ihre Erklärung: Wenn der Besitzer das Tagesgeschäft bestimmt, trifft er Entscheidungen sehr effizient. "Auf schwierige Marktsituationen kann sich so ein Unternehmen besonders schnell einstellen. Es ist wendiger als eins mit Management-Führung."

Doch trotz des Erfolgs der Unternehmen klagen die Personalchefs wie Esther Loidl von Brose über Schwierigkeiten beim Rekrutieren neuer Mitarbeiter. Die große Zahl an Arbeitslosen erleichtert es ihnen nicht, ihre Wunschkandidaten - am liebsten aus der eigenen Branche - zu finden. Zudem: Die Konjunkturschwäche bewirkt, dass viele Führungskräfte über einen Wechsel gar nicht nachdenken wollen. "Die Risikobereitschaft potenzieller Kandidaten ist außerordentlich gering."

Dabei erscheint das Risiko eines Wechsels zu einem der Erfolgreichen eher gering. Viele der Unternehmen - so auch Brose - können ein längeres kontinuierliches Wachstum vorweisen. In den nächsten Jahren will das Unternehmen beim Umsatz auch weiterhin stärker als die Konkurrenz zulegen. Und betriebsbedingte Kündigungen - die hat es bei den Coburgern ohnehin noch nie gegeben.

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