Risiko für Aktionäre
Bankexperten warnen vor Pensionsrisiken bei Dax-Unternehmen

Neben Daimler-Chrysler und Siemens gilt Thyssen-Krupp als besonders betroffen.

FRANKFURT/M. Um dem üblichen Vorwurf gleich vorzubeugen: Ja, auch Wirtschaftsjournalisten wissen, dass Betriebsrenten und deren Finanzierung eine sehr langfristige Sache sind. Und deshalb sollen Probleme, die durch die aktuelle Börsenkrise entstehen, nicht überbetont werden. Mit dem Langfristigkeits-Verweis reagieren viele deutsche Konzerne auf Fragen zu Pensionsplänen - und fügen hinzu, dass sie ihre Betriebsrenten meist aus dem laufenden Geschäft zahlen und nicht aus Fonds, die unter dem Kurssturz leiden.

Doch auch hiesige Firmen stehen bei den Pensionszusagen vor hohen Lasten. Darunter könnten Aktionäre leiden, warnt Stratege Ralf Zimmermann von Sal. Oppenheim. "Handlungsbedarf besteht nicht nur für die häufig genannten Namen Daimler-Chrysler und Siemens", sagt er, "auch Thyssen Krupp - hat eindeutig ein Problem". Von den Titeln im Deutschen Aktienindex (Dax) hebt Oppenheim außerdem die Hypo-Vereinsbank und die Commerzbank hervor.

Zwei Faktoren treffen deutsche Firmen hart: "Zum einen sind die Verpflichtungen aus Pensionszusagen in den vergangenen Jahren exponenziell gestiegen, zum anderen brechen aus konjunkturellen Gründen die Erträge weg, aus denen Betriebsrenten meist finanziert werden", sagt Michael Freisberg, Partner der Unternehmensberatung Towers Perrin. Die Ratingagentur Standard & Poor?s befragte über 500 europäische Konzerne und meint: "Die finanzielle Flexibilität wird durch nicht abgesicherte Pensionszusagen negativ beeinflusst." Besonders ernst sei die Lage in Deutschland.

Daimler und Siemens werden beim Thema Pensionen am häufigsten genannt. Sie haben nach US- Vorbild Pensionsvermögen ausgegliedert, die ihre Verpflichtungen möglichst komplett abdecken sollen. Doch die Börsenkrise hat milliardenschwere Löcher in ihre Portfolios gerissen, die auf kurz oder lang gestopft werden müssen. "Immerhin ist das Thema bekannt, und beide Konzerne haben signalisiert, dass sie etwas tun werden", sagt Zimmermann. Er sieht ein "begrenztes Risiko für unangenehme Überraschungen", wenn Siemens am 13. November neue Zahlen - auch zur Pensionslage - bekannt gibt.

Die anderen Dax-Konzerne erfassen ihre Pensionsverpflichtungen zum Großteil als Rückstellungen in der Bilanz. Diesen steht kein gesondertes Pensionsvermögen gegenüber. Die Rückstellungen ähneln daher einem Kredit, den die Mitarbeiter dem Arbeitgeber gewähren - so lange, bis ihre Betriebsrente schließlich ausgezahlt wird.

Damit die Konzerne diese kreditähnliche Verpflichtung problemlos bedienen können, müssen sie nach Aussage von Zimmermann eine ausreichende Rendite auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften. Da fast alle deutschen Firmen künftige Pensionsverpflichtungen mit einer Rate von rund 6 % abzinsen, sollte die Kapitalrendite mindestens so groß sein. "Kritisch wird es, wenn der Return on Capital Employed unter diesen impliziten Kreditzins fällt", sagt Zimmermann. In dieser prekären Lage stecken laut Sal. Oppenheim derzeit neun Dax-Unternehmen, darunter Thyssen-Krupp.

Ein zusätzliches Risiko sehen Bankexperten in der Altersstruktur bei Thyssen. Je älter die Mitarbeiter im Schnitt sind, desto eher werden aus zukünftigen Pensionszusagen aktuelle Rentenzahlungen. Allerdings verwiesen Unternehmenskreise bei Thyssen auf Nachfrage darauf, dass der Konzern den Höhepunkt seiner pensionsbedingten Cash-Abflüsse bereits erreicht hat. Viele Ex-Mitarbeiter sind bereits im Ruhestand, und in wenigen Jahren dürften die Rentenzahlungen sinken, statt weiter zu steigen, heißt es.

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