Risikobewusstsein ist geschärft worden
IWF-Chef sieht gute Chancen für globales Wachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht gute Voraussetzungen für ein Anziehen der Welt-Konjunktur. "Beim Blick voraus bin ich überhaupt nicht pessimistisch", sagte IWF-Chef Horst Köhler am Mittwochabend laut Redetext bei einem Treffen des Institute of International Finance (IIF) in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Das globale Finanzsystem habe die wirtschaftlichen Schocks der vergangenen Jahre insgesamt gut verkraftet und sei auf dem Weg der Besserung. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) äußerte sich optimistisch zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Die Konjunktur werde im nächsten Quartal an Fahrt gewinnen. Angebliche Deflationsgefahren wies er erneut zurück.

Technologischer Fortschritt und Produktivität kämen voran, sagte Köhler. Überdies stehe viel flüssiges Kapital zur Verfügung. Die Märkte hätten gelernt, mit Risiken besser umzugehen. Dennoch dürfe man sich nicht in Sicherheit wiegen, warnte der IWF-Chef. "Krisen kann und wird es trotz bester Vorkehrungen geben." Aus diesem Grund müsse weiter an einer Flexibilisierung der Weltwirtschaft gearbeitet werden, forderte Köhler. Dazu gehörten unter anderem einheitliche Rahmenbedingungen für den internationalen Geldverkehr.

Finanzminister Eichel bekannte sich bei dem Treffen zum Konsolidierungskurs und zum Europäischen Stabilitätspakt. Zur Reformagenda 2010 gebe es keine Alternative. Weiche die Regierung vom eingeschlagenen Kurs ab, drohten Zinszahlungen und die Kosten des Sozialsystems den Bundeshaushalt zu dominieren, warnte der Finanzminister. Geld für Investitionen in Forschung und Entwicklung, Bildung und Infrastruktur würde dann fehlen.

Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Michael Meister, kritisierte, dass Eichel für dieses Jahr immer noch von einem realen Wirtschaftswachstum von 0,75 % ausgehe. Für das nächste Jahr erwartet die Bundesregierung plus zwei Prozent.

Bei der zweitägigen Konferenz beraten internationale Spitzenbanker und Politiker über konjunkturelle Fragen und die aktuelle Situation der internationalen Finanzmärkte. Neben Köhler nahmen auch der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der Vorstandssprecher der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, sowie Stephen Roach, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Morgan Stanley, an dem Treffen teil.

Die Finanzfachleute beschäftigten sich unter anderem mit der Deflationsgefahr, also massiv sinkenden Preisen bei gleichzeitig sinkender Nachfrage. Roach warnte davor, die Deflationsgefahr zu unterschätzen. "Man muss dieses Problem in Deutschland sehr ernst nehmen." Deutschland sei das größte, derzeit aber auch das schwächste Stück des Verbundes Europa. Deutschland, die EU und die gesamte Weltwirtschaft seien in einem kritischen Zustand.

Zuvor hatte Eichel im Finanzausschuss die Deflationsdiskussion als "ärgerlich" bezeichnet. Von Deflation könne in Deutschland keine Rede sein. "Es gibt zwar eine Nachfrageschwäche, durch die Preisentwicklung bei Energie und die Stärke des Euro wird die Binnenkaufkraft aber gestärkt. Und das ist gesamtwirtschaftlich positiv."

Der Chefökonom der Allianz-Gruppe und der Dresdner Bank, Michael Heise, hielt dies aber zumindest für die Jahre 2003 und 2004 für eher unwahrscheinlich. Ähnlich hatten sich bereits am Dienstag auch der Chef der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan, und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, auf der International Monetary Conference (IMC) in Berlin geäußert.

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