Risikohinweis sollte vor falschen Einschätzungen warnen
Metabox: Vorstand glaubt an Rettung

Der Vorstand des skandalgeschüttelten Multimedia-Unternehmens Metabox ist trotz einer kritischen finanziellen Lage weiterhin zuversichtlich, die Firma retten zu können. Der Vorstand arbeite mit Hochdruck daran, die zur Abwendung der Insolvenz nötigen Finanzmittel rechtzeitig zur Verfügung zu stellen, teilte das Unternehmen am Montag mit.

dpa HILDESHEIM. Ein Risikohinweis, der dem am Freitag verspätet vorgelegten Geschäftsbericht für 2000 vorangestellt ist, habe Anleger lediglich vor falschen Einschätzungen warnen sollen. Metabox hatte im Vorwort des Geschäftsbericht darauf hingewiesen, dass es "keineswegs sichergestellt" sei, die erforderlichen Mittel zur Rettung des Unternehmens rechtzeitig zu beschaffen. Es bestehe daher ein "hohes Risiko", dass das Insolvenzverfahren eröffnet werde.

Damit habe verdeutlicht werden sollen, dass trotz der positiven Darstellungen der Weiterbestand des Unternehmens zurzeit noch nicht sichergestellt sei. Eine Interpretation, der Vorstand sei in Hinblick auf eine Rettung wenig zuversichtlich, sei nicht richtig, hieß es. Der Kurs der Aktie stieg am Montag um 7,27 % auf 0,59 Euro. Der Höchststand im Juli 2000 lag noch bei 42,20 Euro.

Metabox wies für 2000 einen Verlust von 39,7 Mill. DM (20,3 Mio Euro) aus. Um weiter arbeiten zu können, will der Vorstand auf der Hauptversammlung am 30. Oktober eine Kapitalerhöhung von bisher 15,4 Mill. Euro um 7,7 Mill. Euro von den Aktionären absegnen lassen. Nach dem Insolvenzantrag Ende Mai konnte die Zahlungsfähigkeit Ende August nur durch einen privaten Kredit in Höhe von zwei Mill. DM bis zur Hauptversammlung gesichert werden. Der Insolvenzrichter hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, er müsse ohne neues Kapital das Insolvenzverfahren eröffnen.

Basis für eine Finanzierung seien die Technologie-Plattformen sowie ein sich abzeichnendes Vermarktungspotenzial, teilte Metabox mit. Der seit Ende August amtierende Vorstandsvorsitzende Herbert Steinhauer schrieb im Geschäftsbericht, Metabox habe "aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt". Er wolle die Produktionsreife der Settop- Box "metabox 1000" bis Ende November sicherstellen. "So positiv sich die Zukunft für die "neue" Metabox AG nach der Fertigstellung der metabox 1000 darstellen kann, so schwierig ist aber auch unsere derzeitige Situation." Der vorläufige Insolvenzverwalter sehe aber gute Sanierungschancen.

Metabox hatte Ende April seine Jahresbilanz nicht fristgerecht vorgelegt, weil das Testat des Steuerprüfers fehlte. In einer nicht testierten Bilanz war der Verlust zunächst mit 26,8 Mill. DM angegeben worden. Auch die ehemals angekündigten 200 Mill. DM Umsatz für 2000 wurden deutlich unterschritten. Der Bericht weist einen Umsatz von 9,6 Mill. DM aus. Gegen den Unternehmensgründer Stefan Domeyer, der Ende August seinen Posten als Vorstandsvorsitzender ruhen ließ, laufen noch immer Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts irreführender Börsenmitteilungen. Domeyer bestreitet die Vorwürfe.

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