Risikokapitalmarkt soll 2002 stagnieren

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Risikokapitalmarkt soll 2002 stagnieren

Der Vorstandschef des Bundesverbandes Deutscher Kapitalgesellschaften (BVK), Werner Schauerte, rechnet nach einem Einbruch der deutschen Risikokapitalinvestitionen im vergangenen Jahr nun zunächst mit einer Stagnation des Marktes.

Reuters MÜNCHEN. Im Jahr 2001 seien in Deutschland 3,6 Mrd. ? als Wagniskapital in junge Unternehmen investiert worden, 25 % weniger als ein Jahr zuvor, sagte Schauerte, gleichzeitig Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft Deutsche Venture Capital (DVC) am Donnerstag in München. Im laufenden Jahr würden die Investitionen voraussichtlich auf diesem Niveau verharren, um dann zu normalen Wachstumsraten von 20 bis 30 % zurückzukehren. Schauerte erwartet außerdem einen Ausleseprozess unter den deutschen Risikokapitalfirmen.

Wagniskapitalfirmen beteiligen sich an jungen Unternehmen, um die Anteile nach mehreren Jahren der Entwicklung entweder bei einem Börsengang oder durch den Verkauf an ein anderes Unternehmen gewinnbringend abzugeben. Nach dem Boomjahr 2000, in dem die Aktienkurse und die Zahl der Börsengänge neue Rekorde erreichten, sei das vergangene Jahr von extremer Vorsicht der Investoren geprägt gewesen, erläuterte Schauerte. Statt euphorischem Investieren in junge Unternehmen ohne tiefgreifende Prüfung der Geschäftsaussichten hätten so genannte Start-Ups jetzt Schwierigkeiten, an Kapital zu kommen. Doch der deutsche Venture-Capital-Markt habe im Vergleich zu den USA und Großbritannien weiter Nachholbedarf und werde mittelfristig wieder wachsen. "Wir haben nun ein geschrumpftes, aber gesundes Portfolio bei den VCs", sagte Schauerte.

Die deutsche Venture-Capital-Szene erlebe derzeit weniger eine Krise sondern vielmehr einen Reinigungsprozess, erläuterte der BVK-Chef weiter. Im Branchendurchschnitt müssten die deutschen Risikokapitalfirmen 2001 wohl Abschreibungen auf ihre Beteiligungen von 30 bis 40 % hinnehmen. "Ich glaube, es ist damit aber ausgestanden." Insgesamt hätten deutsche VG-Gesellschaften noch 4 bis 5 Mrd. ? in der Kasse. Um eine Konsolidierung werde die Branche aber nicht herum kommen. "Von den 350 bis 400 VCs in Deutschland werden sicher einige die Tore schließen", sagte Schauerte. In seinem Verband rechne er zum Jahreswechsel mit einem Rückgang der Mitgliedschaften um rund 10 %.

Die DVC, eines der größten Wagniskapitalunternehmen in Deutschland und Partnerunternehmen der Deutschen Bank, habe im vergangenen Jahr rund 50 Mill. ? in junge Technologieunternehmen investiert, davon 37 Mill. ? in zwölf neue Firmen im Portfolio der DVC, sagte Schauerte weiter. Drei Unternehmen aus dem Beteiligungskreis seien 2001 pleite gegangen. Zum Teil seien die Investitionen der DVC aber durch Ausfall-Bürgschaften abgesichert gewesen. Insgesamt verwalte die Gesellschaft in ihren Fonds rund 300 Mill. ?. "Wir haben etwa 120 Mill. ? in der Kriegskasse."

Nach noch drei Börsengängen im Jahr 2000 hat es den Angaben zufolge 2001 keine Neuemission aus dem DVC-Portfolio gegeben. Als "heißer Kandidat" gelte aber die in Dornach bei München ansässige Softwarefirma Hyperwave AG, die ihren geplanten Gang an den Neuen Markt im Mai 2000 kurzfristig abgesagt hatte, sagte Schauerte. Allgemein rechne er mit einer wieder deutlich steigenden Zahl der Börsengänge ab dem dritten Quartal 2002.

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