Risikominimierung durch richtige Vertragsgestaltung
Sicherheitsstandards bei ASP-Verträgen wichtig

Statt Software zu kaufen, mieten immer mehr Nutzer von einem Provider die erforderliche Software. Neue Dienstleister machen bereits Milliarden-Umsätze mit der Online-Bereitstellung von Software. Vertragliche Regelungen spielen beim Mietservice eine große Rolle.

DÜSSELDORF. Immer mehr Unternehmen greifen im Rahmen ihres Software-Managements auf das Application Service Providing zurück. Während die weltweiten Umsätze im Jahr 2000 noch bei 1,5 Milliarden US-Dollar lagen, soll bereits im Jahr 2004 die 20-Milliarden- Dollar-Grenze überschritten werden. Diesen lukrativen Markt haben inzwischen auch die Softwarehersteller für sich erkannt. Auch sie bieten verstärkt die Nutzung ihrer Software in dieser Form an.

Application Service Providing (ASP) unterscheidet sich vom klassischen Software-Geschäft im Wesentlichen durch zwei Punkte: Statt die Software zu kaufen, mietet der Benutzer sie lediglich von einem Provider, der sie auf seinen Servern bereithält. Der Kunde erhält keine Kopie der Software. Er greift entweder mittels Direkteinwahl beim ASP oder über das Internet auf die Software zu. Hinzu kommen häufig weitere Leistungen des ASP, wie etwa die Bereitstellung von Server-Kapazitäten für die dort zu speichernden Daten des Kunden und die Wartung der Software.

Die Vorteile für den Kunden liegen auf der Hand. Er vermeidet hohe Einmalaufwendungen für die Beschaffung der Software und spart sich teure Updates. Die Bezahlung erfolgt entweder in regelmäßigen Zeitabständen oder nutzungsabhängig. Auch auf die teure Anschaffung von eigenem Speicherplatz kann verzichtet werden. Außerdem liegt die oftmals schwer kalkulierbare Softwarewartung im Verantwortungsbereich des ASP. Die Softwarehersteller sind schließlich von der Sorge befreit, dass Raubkopien ihrer Programme massenhaft vervielfältigt werden.

Bislang fehlen Urteile

ASP-Modelle sind aber auch mit Risiken verbunden. Urteile dazu, inwieweit bei Vertragslücken auf die allgemeinen gesetzlichen Regelungen zurückgegriffen werden kann, fehlen bisher. Daher empfiehlt es sich, die vertraglichen Beziehungen möglichst ausführlich zu regeln.

Da das Nutzungsrecht des ASP-Kunden von der Lizenz des Providers abhängig ist, sollte der ASP-Kunde auf einer vertraglichen Offenlegung der Nutzungsrechte des ASP oder zumindest entsprechenden Haftungsfreistellungen bestehen, wenn der Provider nicht gleichzeitig der Softwarehersteller ist. Der ASP-Vertrag bedarf außerdem einer Regelung für den Fall, dass der Provider seine Nutzungsrechte verliert oder seinen Service aus sonstigen Gründen nicht mehr zur Verfügung stellen kann.

In diesen Konstellationen hilft ein bloßes Kündigungsrecht nicht weiter, weil bei täglichen Anwendungen sichergestellt sein muss, dass die erforderliche Software ohne Unterbrechungen zur Verfügung steht. Hier können nur weitere Verträge entweder mit dem Softwarehersteller oder anderen ASP eine unmittelbare Weiternutzung der Software sicherstellen. Ist der Provider im Besitz des Quellcodes, kann das Insolvenzrisiko durch die vertraglich vereinbarte Hinterlegung des Quellcodes reduziert werden.

Vertrag sollte möglichst hohe Standards festlegen

Der Gefahr, dass unberechtigte Dritte auf Daten des Kunden zugreifen oder auf Kosten des Kunden die Software nutzen, muss begegnet werden. Der ASP-Vertrag sollte möglichst hohe Sicherheitsstandards für den Kunden festlegen. Werden personenbezogene Daten auf Servern des ASP verarbeitet, müssen die einschlägigen Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Zur Sicherung der Kundendaten sind regelmäßige Backups erforderlich, deren Einzelheiten ebenfalls in den Vertrag aufgenommen werden sollten.

ASP-Verträge können unterschiedliche Abrechnungsmodi enthalten. Die Vergütung kann entweder als eine in bestimmten Zeitabständen zu zahlende Pauschalvergütung oder aber nutzungsabhängig vereinbart werden. Im letztgenannten Fall muss der Kunde in die Lage versetzt werden, die abgerechneten Nutzungszeiten zu überprüfen. Beiden Abrechnungsmodellen liegt die Annahme eines bestimmten Nutzungsumfangs zu Grunde. Für den Fall, dass sich der Nutzungsumfang ändert, sollte der ASP-Vertrag eine Regelung vorsehen, die dem Kunden einen zeitnahen Wechsel in den für ihn jeweils optimalen Tarif ermöglicht.

Ist im ASP-Vertrag auch die Softwarepflege und sonstiger Support vereinbart, sind detaillierte Regelungen etwa über Fehlerbehebung, Updates und Schulungen notwendig. Übliche Wartungsarbeiten, während der die Server abgeschaltet werden, sollten zu genau bestimmten, außerhalb der üblichen Arbeitszeiten des Kunden liegenden Uhrzeiten vereinbart werden. Häufig besteht auch nach der Beendigung des ASP-Vertrages ein Bedürfnis, die Software weiter zu nutzen. Dies ist insbesondere bei Spezialsoftware der Fall, ohne die ein Zugriff auf die während der Dauer des ASP-Vertrages verarbeiteten Daten des Kunden nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich ist.

Für diesen Fall bietet es sich an, eine Kaufoption im ASP-Vertrag festzusetzen. Es ist absehbar, dass diese Art der Softwarenutzung gerade für kleine und mittelständische Unternehmen das Modell der Zukunft ist.

Dr. Marcus Schreibauer und Dr. Joachim Mulch sind Anwälte in der Sozietät Lovells Boesebeck Droste, Düsseldorf.

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