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Risikostreuung bei Fonds

Nach dem Kursdebakel mit Technologieaktien im vergangenen Jahr steht die Risikostreuung für viele Anleger im Vordergrund.

Logischerweise spielen dabei Fonds eine große Rolle, weil die Fondsmanager ja selbst bemüht sind, durch eine Aufteilung ihrer Mittel auf verschiedene Aktien die Chancen zu maximieren und die Risiken möglichst klein zu halten.

Aber der Fondsmarkt ist unübersichtlich, und hinter manchem Etikett steckt etwas ganz anderes, als der Anleger vielleicht vermutet. Wer beispielsweise versucht, Standardwerte oder defensive Titel mit Technologieaktien auszubalancieren, muss aufpassen, dass er nicht auf das falsche Pferd setzt. Denn mit dem konservativ klingenden ABN Amro German Equity Fund beispielsweise baut der Anleger vielleicht ganz unbewusst sehr stark auf die Deutsche Telekom, da der Fonds dort mit immerhin knapp zehn Prozent investiert ist. Der Grund: Weil sich die Fondsmanager am Dax 30 ausrichten, muss die Telekom so hoch gewichtet werden, da die Aktie im wichtigsten deutschen Marktbarometer das Schwergewicht schlechthin ist. Selbst im SEB Invest Responsibility Equities, der sich bei der Aktienauswahl an Unternehmen hält, die in der Umwelt-, Sozial-, und Kulturverträglichkeit Vorbildliches leisten, ist überraschenderweise die Telekom als Top-Holding mit 4,1 Prozent dabei.

Bevor der Anleger also überlegt, wie er den Technologieteil seines Depots gestaltet, hat er vielleicht schon mehr Telekommunikation im Depot, als ihm lieb ist. Will er dann wirklich die Wachstumskarte spielen, um das Portfolio aufzupeppen, würde er beispielsweise über den DIT Wachstumsfonds nochmals auf Ron Sommer und seine Mannschaft setzen, weil die Investmenttochter der Dresdner Bank knapp sechs Prozent des betreffenden Fondsvolumens dem ehemaligen Staatskonzern anvertraut. Umgekehrt gilt: Mancher Technikfonds hat weniger High-Tech, als der Name vermuten lässt. Dann ist der Anleger verblüfft, wenn er bei einem Durchstarten der TMT-Titel (Technologie-Medien-Telekommunikation) zurückbleibt.

Mit ein Grund für die teils identischen Zutaten in den Kapitalsammeltöpfen ist der Herdentrieb der Fondsmanager in Richtung "Global Player". "Nokia-Aktien hat heute fast jeder Fondsmanager im Depot", weiß Günter Schlösser, Geschäftsführer der Kölner Portfolio Concept GmbH. "Die Messlatte sind die Indizes, da bleibt im Grunde nicht allzu viel an Alternativen übrig", meint er.

Selbst wenn der Anleger glaubt, dass er über den Kauf von Value-Fonds - die in Aktien mit relativ geringen Risiken investieren - tendenziell besser abgesichert ist, so gilt das nur auf den ersten Blick. Wer etwa den DWS Top 50 Welt und den Templeton Growth Fund kombiniert, handelt sich damit eine Art "privates Klumpenrisiko" in regionaler Sicht und unter Währungsaspekten ein. Denn beide haben starke Schwerpunkte in den USA - der DWS-Fonds mit 41 Prozent und der Templeton mit 50 Prozent. An die Stelle eines Einzelwert- oder Branchenrisikos tritt hier ein Länderrisiko.

"Es lohnt sich immer, sehr genau in den letzten Rechenschaftsbericht zu schauen, um zumindest Klarheit über die Zusammensetzung am Stichtag zu bekommen", rät Peter Fehrenbach, Geschäftsführer von Euroswitch, einer unabhängigen Vermögensverwaltung mit Investmentfonds.

Aber die Schwerpunkte können sich rasch verändern, wobei der Privatanleger "unterjährig" -- also zwischen den Terminen der Rechenschaftsberichte - davon wenig mitbekommt. Selbst die veröffentlichten Top-Holdings der Fondsgesellschaften im Internet sind manchmal alt. Und: "Man weiß nicht, wie es darunter aussieht, auch da können sich Risiken addieren", weiß Fehrenbach.

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