Risikovorsorge drastisch gestiegen – Institut sucht neue Gesellschafter: Traditionsbank Delbrück & Co. gerät in Turbulenzen

Risikovorsorge drastisch gestiegen – Institut sucht neue Gesellschafter
Traditionsbank Delbrück & Co. gerät in Turbulenzen

Die Lage der Privatbank Delbrück & Co. ist angespannt: "Die Situation ist schwierig", bestätigte Peter von der Heydt, Sprecher der Geschäftsführung, gestern dem Handelsblatt. Insgesamt seien zur Risikovorsorge rund 90 Mill. Euro aufgewandt und mit stillen Reserven abgedeckt worden. Zum Vergleich: Das Gesellschafterkapital der Privatbankiers beträgt 60 Mill. Euro. "Wir mussten wesentliche Teile unserer Reserven einsetzen", räumt von der Heydt ein.

KÖLN. Die Bank habe von sich aus im August 2001 das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen und die Deutsche Bundesbank informiert, sie rechne mit erheblichen Risikovorsorgeaufwendungen. Die darauf vom BAKred veranlasste Sonderprüfung gemäß § 44 KWG durch die Wirtschaftsprüfer Wedit "ist inzwischen abgeschlossen", sagt von der Heydt. "Die Feststellungen der Wedit bestärken die Geschäftsleitung der Bank in der Überzeugung, dass die Geschäftsrisiken beherrschbar sind und die Eigenkapitalbasis der Bank intakt ist."

Unter dem Strich beendet Delbrück das Jahr 2001 mit einem ausgeglichenen Ergebnis, eine Ausschüttung für die Gesellschafter entfällt. Nach vorläufigen Zahlen sank die Bilanzsumme von 1,428 Mrd. Euro auf rund 930 Mill. Euro, das Geschäftsvolumen von 1,334 Mrd. Euro auf rund 870 Mill. Euro.

Als Ursachen für die Krise nennt von der Heydt neben dem allgemein schwierigen Bankenjahr - mit drastisch gesunkenen Einnahmen im Wertpapierbereich - vor allem Problemkredite. "Deren Ausmaß ist erst im Rahmen der Neustrukturierung der Bank im vergangenen Jahr deutlich geworden." Seit zwei Jahren hat sich das Institut mit Doppelsitz in Köln und Berlin vom Universalbankkonzept verabschiedet und konzentriert sich auf die Begleitung von Mittelständlern. Dabei setzt Delbrück auf die Vermögensberatung und strukturierte Finanzierungen. Aus dem klassischen Kontokorrent-Kreditgeschäft zieht sich die Bank zurück. Auch deshalb seien die Kundenforderungen in 2001 von 711 Mill. Euro auf 640 Mill. Euro gesunken. Der Strategieschwenk spiegele sich auch im gesunkenen Bilanzvolumen wieder.

Derzeit plant die Bank, "zügig" neue Gesellschafter aufzunehmen. "Diese Überlegung gibt es bereits länger", betont von der Heydt, "sie ist unabhängig von der schwierigen Situation. Erste Gespräche mit möglichen Gesellschaften laufen. Offen ist noch, ob es private oder institutionelle Investoren sind." Wünschenswert sei der Erhalt der Unabhängigkeit, gibt der Privatbankier das Ziel aus. Branchengerüchte über einen Einstieg eines ausländischen Investors will von der Heydt nicht kommentieren.

Wegen der Neustrukturierung streicht Delbrück etwa jede vierte Stelle. Ende dieses Jahres sollen noch 300 bis 320 Mitarbeiter an sechs Standorten arbeiten, Ende 2000 waren es mehr als 420. "Es gab betriebsbedingte Kündigungen", sagt von der Heydt. Mit dem Betriebsrat sei ein Sozialplan vereinbart worden.

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