Risikovorsorge möglicherweise höher
Kreditportfolio wird HVB noch lange belasten

DieHypovereinsbank wird unter dem Pleitenrekord in Deutschland und dem nach wie vor schwachen Immobilienmarkt stärker leiden als ihre Wettbewerber. Denn das Münchener Institut hat mit knapp 450 Mrd. Euro das größte Kreditbuch in Europa - eine andauernde Konjunkturflaute würde der Bank bis weit ins nächste Jahr zu schaffen machen.

Reuters FRANKFURT/MÜNCHEN. Die meisten Analysten rechnen angesichts des schwachen Marktumfelds für das dritte Quartal mit einem Vorsteuerverlust im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und einer deutlich erhöhten Risikovorsorge. Die HVB wird ihre Zahlen voraussichtlich am 23. Oktober veröffentlichen und dann möglicherweise auch den Nachfolger für den scheidenden Bankchef Albrecht Schmidt präsentieren. Im zweiten Quartal hatte das Institut erstmals einem Betriebsverlust verbucht.

Aussichtsreichster Kandidat als Schmidt-Nachfolger ist der für Deutschland und das europäische Firmenkunden- und Handelsgeschäft (Corporates & Markets) zuständige Dieter Rampl. Er verantwortet die wichtigsten Bereiche der Bank und hat das Firmenkundengeschäft wieder in die schwarzen Zahlen geführt. Aber mit der sich verschlechternden Kreditqualität wird er nach Einschätzung von Experten noch viel Arbeit haben.

S&P fordert Portfoliobereinigung



"Die HVB hat es derzeit schwer und wird noch lange mit der Bereinigung ihres Portfolios kämpfen", sagt Stefan Best von der Ratingagentur Standard & Poors. Die Bank habe es versäumt, ihre Kreditvergabe - vor allem an den Mittelstand - in den vergangenen Jahren drastisch zu reduzieren. Mit knapp 450 Mrd. Euro hat die HVB etwa so viele Kredite in ihren Büchern wie Dresdner Bank (knapp 220 Mrd. Euro) und Commerzbank (gut 230 Mrd. Euro) zusammen. "Im Kreditportfolio der HVB gibt es einige Risiken, vor allem bei den Firmenkunden. Fraglich ist, ob die 2,5 Mrd. Euro Risikovorsorge für dieses Jahr ausreichen werden", sagt Best. Das Immobiliengeschäft sei das zweite große Problemfeld. Die Bank habe diese Aktivitäten zwar in der Immobilienbank HVB Real Estate gebündelt, doch dies seien eher kosmetische Anpassungen. "Der HVB-Immobilienbestand ist immer schon groß gewesen und birgt ebenfalls einige Risiken." Erst Anfang Oktober hatte S&P das Langfristrating A und das Kurzfristrating A-1 mit einem negativen Ausblick versehen.

Einige Analysten prognostizieren eine Risikovorsorge von mehr als 3 Mrd. Euro für 2002, obwohl die Bank bislang nur 2,5 Mrd. Euro in Aussicht gestellt hat. Doch offenbar rechnet die HVB jetzt mit einer erneuten Aufstockung. "Es ist davon auszugehen, dass beim gegenwärtigen Marktumfeld kaum eine der Banken ihre budgetierte Risikovorsorge einhalten wird", sagte ein HVB-Sprecher. Bankchef Schmidt habe schon bei der Vorlage der Halbjahreszahlen betont, er werde bei der Risikovorsorge seinen konservativen Kurs weiterverfolgen und wenn nötig, mehr zurückstellen. Für 2003 peilt das Institut eine Risikovorsorge von 2,5 Mrd. Euro an, hieß es aus Kreisen.

BAFin hat offenbar Kreditportfolio im Blick

Dem HVB-Kreditengagement gilt Finanzkreisen zufolge auch das Augenmerk der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin). "Die Aufsichtsbehörde beobachtet das Kreditportfolio genau und wird, wenn nötig, eine höhere Risikovorsorge anmahnen", hieß es in den Kreisen. Die BAFin habe auch die zuletzt am Derivatemarkt gestiegenen Risikoaufschläge (Spreads) für Versicherungen gegen Kredit- und Anleiheausfälle bei deutschen Instituten registriert. "Die Spreads für so genannte Credit Default Swaps waren bei der Commerzbank mit mehr als 400 Basispunkten am größten, aber die HVB lag nur rund 100 Punkte niedriger. Das kann der BAFin nicht gleichgültig sein", hieß es in den Kreisen. Die HVB sei in einer vergleichsweise schwierigen Situation: Wegen des großen Kreditvolumens würden auch nur kleine Erhöhungen in der Kredit-Ausfallrate die HVB schwächen. Ähnlich sieht das Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin: "Wenn die konjunkturelle Abwärtsspirale weiter geht, ist die HVB auf der Kreditseite am stärksten davon betroffen." Plenk stuft die HVB-Aktie aber mit "Akkumulieren" ein, da die jüngsten Kursrückgänge die Zukunftsaussichten der Bank nicht angemessen widerspiegelten.

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