"Riskantes Unterfangen"
Berliner Bewag hofft auf rasche Eigentümerlösung

Ein neuer Stromkonzern wäre ohne maßgebliche Einbindung der Bewag für jeden ein sehr riskantes Unterfangen, sagte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Wienje heute in Berlin.

dpa BERLIN. Die Berliner Bewag beansprucht ungeachtet ihrer ungeklärten künftigen Eigentümerstruktur eine zentrale Rolle bei der Neuordnung der ostdeutschen Stromwirtschaft. Ein neuer Stromkonzern wäre ohne maßgebliche Einbindung der Bewag für jeden ein sehr riskantes Unterfangen, sagte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Wienje am Dienstag auf der Hauptversammlung in Berlin.

Mit den zum Verkauf anstehenden Anteilen am Braunkohleverstromer VEAG und der Kohlegesellschaft Laubag gebe es eine historische Chance für signifikantes Wachstum. Auch wenn die Bewag im ersten Anlauf nicht dabei sein sollte, sei man optimistisch, in weiteren Runden eine maßgebliche Rolle spielen zu können.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000/01 (30. Juni) erhöhte die Bewag das operative Ergebnis um sieben Mill. auf 114 Mill. DM. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 66 Mill. DM auf 104 Mill. DM. Für das Gesamtjahr werde ein Ergebnis erwartet, das wieder eine Dividende von 1,12 DM erlaube.

Kleinaktionärsvertreter sprachen mit Blick auf die Entscheidung des Berliner Landgerichts, das am Montag im Eigentümerstreit die Position des US-Konzerns Southern Energy gegenüber dem Konsortialpartner Eon Energie gestärkt hatte, von einer Hängepartie. Sie bezweifelten auch, ob die Bewag, die sich allein um VEAG und Laubag beworben hat, beide Akquisitionen würde stemmen können. Außerdem gab es Zweifel, ob die angestrebte Übernahme der Bewag durch die Hamburger HEW und die hinter ihr stehende schwedische Vattenfall sinnvoll sei. Da Vattenfall ein Staatsunternehmen sei, müsse offen bleiben, ob die dümpelnde Bewag-Aktie von einer solchen Übernahme beflügelt würde.



Vorstand verfolgt Ziele weiter

Wienje sagte, der Vorstand habe in den letzten Monaten seine Ziele unabhängig von den Auseinandersetzungen um die Bewag-Aktie weiter verfolgt. Er habe alles getan, um eine Einigung zwischen den Hauptaktionären zu erreichen. Auf die Entscheidungen unterschiedlich ausgerichteter Großaktionäre habe er aber keinen Einfluss. Der Vorstand respektiere die jeweiligen Vorstellungen. Bei der beabsichtigten Neuordnung der ostdeutschen Stromwirtschaft spreche jedoch die industrielle Logik dafür, dass die Bewag zusammen mit VEAG und Laubag sowie gegebenenfalls anderen Partnern ein wettbewerbsfähiges Energieunternehmen mit europäischem Format bilden sollte.

Die Neuordnung der Stromwirtschaft wird möglich, weil Eon Energie aus kartellrechtlichen Gründen seine Anteile an der Bewag veräußern muss und sie HEW überlassen will. Southern hält wiederum 26 % und will die zum Verkauf stehenden 49 % selbst erwerben. Das Landgericht hatte am Montag eine einstweilige Verfügung bestätigt, wonach Eon und HEW ihren zum 1. Januar 2001 geschlossenen Vertrag vorläufig nicht vollziehen dürfen. Das Gericht regte an, eine Lösung in dem von Southern bereits beantragten Schiedsverfahren zu suchen. Eon kündigte Berufung beim Kammergericht an.

Wienje sagte, die Bewag habe mit ihrem Gebot die Chance zur Expansion genutzt. Sie biete nach wie vor ohne Konsortialpartner. Im Sinne einer vernünftigen Gesamtlösung bleibe sie jedoch für sinnvolle Kooperationsverträge offen. Ein von Southern vorgeschlagenes gleichberechtigtes Angebot von Bewag und HEW für VEAG/Laubag war nicht zu Stande gekommen, weil HEW zuvor auf dem Erwerb der Bewag- Mehrheit bestand.

Die Bewag wolle auch ihre Rechte als Mitgesellschafterin der Energie Beteiligungs-Holding (EBH) nutzen. Dort haben Bewag, HEW, EnBW und VEW ihre Anteile an VEAG und Laubag gebündelt. Die EBH hält 25 % an der VEAG. Da sich ihre Gesellschafter zunächst intern einigen müssen, könnte so möglicherweise eine Veräußerung der VEAG- Anteile an einen nicht genehmen Interessenten blockiert werden. Für die VEAG bietet auch HEW/Vattenfall, denen beste Chancen eingeräumt werden. Southern, die bei der Bewag die unternehmerische Führung hat, könnte über die EBH eine Verzögerungstaktik verfolgen wollen. Der Veräußerung der VEAG-Anteile von E.ON und auch RWE muss der Bund noch zustimmen.

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