Riske: „Ich liebe britisches Understatement“
Ohne Raketen und Schleudersitz

Eigentlich hatte Sportwagen-Fan Gordon Riske immer von einem Porsche 911 geträumt. Für das Handelsblatt Weekend Journal testete er zwei Tage lang den Aston Martin V12 Vanquish. Jetzt hat der Chef der Deutz AG einen neuen Favoriten.

Ist das die Original James- Bond-Version mit Raketen und Schleudersitz?" erkundigt sich Gordon Riske, als er den Aston Martin V12 Vanquish abholt. Riskes Vorfreude tut es aber keinen Abbruch, dass er auf die Spezialausführung verzichten muss, mit der Pierce Brosnan in "Stirb? an einem anderen Tag" auf Gangsterjagd ging. Statt Spikes an den Reifen und Maschinengewehr unter der Motorhaube wartet der Testwagen mit charmanten Details wie dem in die Kofferraumklappe integrierten Regenschirm auf, mit dem ein Gentleman bestens für das englische Wetter gerüstet ist. "Ich liebe britisches Understatement", schwärmt der Amerikaner Riske, als er eine Runde um den Sportwagen dreht. "Die eleganten Rundungen und die Haifischschnauze - wunderschön, aber dezent." Er ziehe den diskreten Charme des Aston Martin jederzeit dem protzigen Showtalent eines Ferraris vor. "Mir geht es nicht darum, aufzufallen."

Darum wird Riske kaum herumkommen: Schließlich kennen die meisten den eleganten Sportwagen nur von der Kinoleinwand. Die britische Autoschmiede, die seit 1987 zur Ford-Gruppe gehört, verkauft im Jahr nur 500 Exemplare auf der ganzen Welt. Sechs Wochen dauert die aufwendige Produktion eines Vanquish. Die Karosserie wird immer noch in Handarbeit hergestellt. Soviel Exklusivität hat ihren Preis: Unser Aston Martin Testmobil kostet stolze 256 000 Euro.

Entsprechend andächtig nimmt Riske Platz auf den rehbraunen Ledersitzen. Auch für die Innengestaltung hat er nichts als Lob übrig: "Die schlichten weißen Anzeigen wirken sehr edel." Erwartungsvoll lässt Riske den Motor an. Das satte Aufbrummen des mächtigen V12-Aggregats quittiert er mit einem genießerischen Lächeln: "Deutz-Motoren haben auch einen guten Sound - aber das hier klingt unglaublich."

Seit Mitte 2000 ist Riske Vorstandsvorsitzender der Deutz AG, die im vergangenen Jahr über 150 000 Motoren verkauft hat. Der US-Manager brachte das Unternehmen mit weltweit über 5 500 Mitarbeitern aus den roten Zahlen. Gordon Riske ist Autonarr, seit er denken kann. "Ehrensache, schließlich bin ich in der Motorstadt Detroit aufgewachsen."

Gleich nachdem der 16-jährige Riske den Führerschein in der Tasche hatte, renovierte er in der Garage seiner Eltern sein erstes Traumauto: einen alten Pontiac Firebird mit 400 PS. "Ich hatte damals eigentlich immer Öl an den Schuhen, habe meiner Mutter den Wohnzimmerteppich demoliert." Als der Firebird dann endlich wieder in altem Glanz erstrahlte, fuhr Riske mit seinen Freunden regelmäßig am Wochenende Rennen auf der vierspurigen Stadtautobahn.

Mit der sechsgängigen Kippschaltung am Lenkrad kommt Riske bestens zurecht. "Der Wagen ist hart und ungezähmt. Wenn man die Gänge einlegt, gibt es jedes Mal einen kleinen Satz. Das muss man mögen. Und ich mag das." Riske fährt die Gänge aus, bei 160 schaltet er in den vierten Gang, erst bei 220 in den fünften. "Der Wagen liegt stabil auf der Straße, auch bei hohen Geschwindigkeiten."

Von Zeit zu Zeit entfährt dem so ruhig und besonnen wirkenden Mann vor Begeisterung ein kurzes, lautes Lachen: "Super, einfach super!" Der Motor-Manager ist voll in seinem Element. Bei 295 muss Riske dann doch abbremsen, der BMW vor ihm fährt nicht schnell genug. Auch die Bremsen ernten Riskes volle Zustimmung: "Nicht das leiseste Rütteln am Lenkrad." Riske ist inzwischen so überzeugt, dass er für den Aston Martin Vanquish seinen bisherigen Favoriten - den Porsche 911 - vom Sockel stößt. "Wer den Vanquish gefahren ist, kann danach eigentlich kein anderes Traumauto mehr haben."

Einige Hundert Kilometer später ist Riskes Begeisterung keinen Deut abgeflaut. Er hat seine Frau spazieren gefahren, einen Ausflug mit seinem Fahrer gemacht, seinen Assistenten auf dem Beifahrersitz Platz nehmen lassen - und ist die Fahrerei noch lange nicht leid. Der Vanquish habe seine hohen Erwartungen noch übertroffen.

Obwohl die Sache mit dem Understatement nicht so ganz stimmt. "Man fällt doch auf. Die Leute gucken, haben so einen Wagen noch nicht gesehen. An jeder Ampel sind die Autos extrem dicht aufgefahren, um das winzige Typenschild zu lesen."

Quelle: Handelsblatt

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