Risqon bewertet neue Risiken in der New Economy
Riecher für Risiko

Die Risqon Underwriting GmbH bewertet Risiken der New Economy für Versicherungen. Das junge Unternehmen aus Bergisch Gladbach ist Trendsetter. Denn Outsourcing wird in der Branche immer wichtiger, sagen Experten.

DÜSSELDORF. Sie sehen nicht aus wie Exoten. Drei Männer, Mitte dreißig bis Anfang vierzig, jeder in einem frisch leuchtenden, hellblauen Hemd und mit offenem Gesichtsausdruck.

Und doch, sie gelten als exotisch. Denn Guido Funke, Udo Wegerhoff und Andreas Keßler haben in einer traditionsbewussten, wenig beweglichen Branche ein Unternehmen gegründet. Mit neuartigem Angebot. Und vielleicht haben sie damit ein wenig die Zukunft im Versicherungsgewerbe eingeläutet. Die Kunden der Risqon Underwriting GmbH: Versicherungs-Unternehmen. Das Produkt: Risqon bewertet neue Risiken.

Denn wenn zum Beispiel die Erde bebt, wird es zwar teuer für Versicherungen. Aber das Risiko ist kalkulierbar: Möchte sich ein Unternehmen gegen Erdbeben-Schäden schützen, befragt die Versicherung ihren Computer. Der rechnet quer durch eine riesige Datenbasis - Ergebnis sind die Wahrscheinlichkeit möglicher Schäden und die möglichen Kosten. Der Versicherer weiß, für welche Schadenssumme er welche Prämien kassieren muss.

Wenn aber ein Computervirus in einer Software-Schmiede zuschlägt, ist die Reichweite des Unglücks kaum einzuschätzen. Es gibt schlicht zu wenig Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, die sich in die Zukunft übertragen lassen. Heikel für Versicherungen. Denn: "Mit Pech kann der Schaden um ein Vielfaches höher sein, als die Prämien, die der Versicherer kassiert", sagt Risqon-Gründer Guido Funke.

Das Geschäftsfeld für Risqon. Die drei Gründer und heutigen Geschäftsführer trafen sich Ende der neunziger Jahre als Kollegen bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einem großen Rückversicherer. Ihre Expertise ist nun ihr Kapital geworden: Neue Technologien, neue Medien und klassische Schadensbewertung. Im Juni vergangenen Jahres gründeten die drei die Risqon GmbH, seit Anfang 2001 läuft der Betrieb, gestärkt durch drei Mitarbeiter und durch die finanzielle Kraft zweier Wagniskapitalgeber und eines Business-Angels.

Eines der ersten großen Projekte war ein Auftrag von der Bayerischen Versicherungskammer. Der öffentlich-rechtliche Versicherer wollte sich das große Geschäft mit den zahlreichen neuen IT-Firmen im Münchner Umland nicht entgehen lassen und bot den New Economy-Firmen Haftpflicht-Versicherungen an. Das Portfolio setzten die Fachleute der Kammer nach bestem Wissen und Gewissen zusammen. Dennoch blieben Zweifel: Zu wenig Fakten, zu viel Bauchgefühl hatten die Höhe der Prämie beeinflusst.

Ein Fall für Risqon: Die drei Geschäftsführer begannen, die versicherten Unternehmen genau zu durchleuchten, fragten zum Beispiel: Was produzieren die IT-Firmen? Welche Gefahren gibt es? Wie ist das Risikomanagement? Sind die Produkte zertifiziert? Daheim in den Büroräumen im Technologiepark von Bergisch Gladbach fütterten sie ihr selbst entwickeltes Computer-Programm mit den Informationen. Das Ergebnis bewerteten die drei, heraus kam ein differenziertes Bild der einzelnen Risiken.

Den Preis für das Gesamtpaket der Versicherungspolicen hatten die Bayern nach Risqon-Meinung zwar fast richtig angesetzt. Aber in einigen Fällen überstiegen die Risiken weit die Prämie. In anderen lagen sie weit darunter. Der Clou der Risqonschen Ergebnisse: Mit stärker differenzierten Prämien kann der Bayerische Versicherer zielsicherer Gewinne machen, und die Erträge stabilisieren.

Manfred Gaul, Hauptabteilungsleiter bei der Versicherungskammer Bayern, findet die Analyse von Risqon überzeugend: "Mit ihrem speziellen Know-how können sie die Risiken der IT-Unternehmen tatsächlich besser bewerten." Vorteil des Unternehmens sei zudem, dass es eine vollkommen neutrale Position einnehme, sagt Gaul. Die kleine Firma aus Bergisch Gladbach jedenfalls bleibt dem Münchner Versicherer als Berater erhalten. Selbst große Versicherungs-Unternehmen tappen also im Dunkeln, wenn es um die New Economy geht. Auch ein Grund, warum Branchenkenner erwarten, dass die Wertschöpfungskette aufbricht und immer mehr externe Dienstleister in der Produktplanung und Risikobewertung für Versicherungen tätig werden.

Auch die drei Risqon-Gründer glauben fest an einen Trend zum Outsourcing. Diese Überzeugung brachte Funke, Keßler und Wegerhoff dazu, den sicheren Hafen und vielversprechende Jobs zu verlassen und Risqon zu gründen.

Sie sagen heute, die Zeit der "Meet-o-mania" sei nun für sie vorbei. Eine der großen Errungenschaften ihres neuen Lebens: Ihre Ideen könnten sie schnell in die Tat umsetzen. Sie sind eben nicht mehr der Schwerkraft eines großen Apparates ausgeliefert.

Doch Freiheit ist nie kostenlos. Nicht alles klappte auf Anhieb. Ihr erster Businessplan fand keine Gnade bei Kapitalgebern. "Da war kein E-Business dabei", sagt Funke - damals noch ein Totschlag-Argument. Dann der nächste Fehler: "Wir haben uns verzettelt." Ein Internet-Portal sollte das Angebot komplettieren - die Botschaft des Risikokapitalgebers: "Macht lieber, was Ihr könnt. Besinnt euch auf eure Kernkompetenz."

Schließlich fanden sich Sparkassen-Tochter KSK GmbH-Wagniskapital als Erstinvestor und als Ko-Geldgeber Technologie-Beteiligungs-Gesellschaft der Deutschen Ausgleichsbank, Tbg. Investitionsvolumen bis 2002: Über drei Millionen Mark. Doch bis das erste Geld schließlich floss, dauerte es Monate.

Funke, Wegerhoff und Keßler, seit Oktober 2000 alle aus dem Job heraus, warteten vergeblich. Die Weihnachtsfeier - immer noch war kein Geld da - geriet zur trübsinnigen Veranstaltung. Um 21.30 Uhr seien alle leise von dannen gezogen. "So niedergeschlagen waren wir", sagt Keßler. Silvester dann kam der ersehnte Geldsegen. Blauäugig seien sie gewesen, sagen sie heute. Sie hatten geglaubt, das Risikokapital sei innerhalb weniger Wochen da. Ein finanzielles Standvermögen von einem halben Jahr braucht ein Gründer, lautet die Erkenntnis.

Die Geburtswehen sind überstanden. Für die endgültige Version ihres Businessplanes hat Risqon sogar den Förderpreis des Verbandes Neues Unternehmertum Köln-Bonn e.V. -Aachen (Nuk) bekommen.

Nun müssen Funke, Wegerhoff und Keßler das kleine Unternehmen aufziehen. Der wichtigste Schritt sei jetzt, sich bekannt zu machen, sagen die drei. Damit mehr Aufträge rein kommen, Risqon beraten, bewerten und Marktpotenziale in der New Economy analysieren kann. Aber die Branche ist schwerfällig: Nicht einfach für junge Unternehmen da Fuß zu fassen.

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