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Riss in der Gesellschaft

Unbegrenzte Möglichkeiten dank des Internets? Vor zehn Jahren noch eine Vision, sind wir inzwischen mitten im Informations-Zeitalter. Doch die digitale Spaltung droht Deutschland. IBM Deutschland-Chef Erwin Staudt (Foto) erklärt, worauf es ankommt.

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Die Datenautobahn ist Realität und Millionen von Benutzer machen sie zum einflussreichsten Kommunikationsmedium und zur wirtschaftlichen Triebfeder unserer Zeit. Gleichzeitig werden auch Fragen laut: Welche sozialen Effekte hat der Superinformationshighway? Hilft er beim Wandel von einer Industrie- in eine Informationsgesellschaft oder steht an seinem Ende eine Zweiklassengesellschaft? Wachsende Gefahr einer digitalen Spaltung Fakt ist: In Deutschland droht die digitale Spaltung. Studien zeigen, dass die Kluft zwischen Internetnutzern und Nicht-Nutzern immer größer wird. Es existieren somit zwei große Gruppen: "Onliner" und "Offliner". 37 Millionen Deutsche zählen zu den Offlinern. Die Gründe dafür sind vielfältig; entweder nutzen sie auf Grund sozialer oder körperlicher Einschränkungen das Internet nicht, oder sie sind nur unzureichend über die Möglichkeiten des Internets informiert oder nutzungsunwillig. Bestimmte Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise Menschen mit geringer Schulbildung, Senioren, Arbeitslose oder Bewohner ländlicher Gebiete zählen zu den Offlinern. Dass etwa die Hälfte der Deutschen sich nicht auf dem "Information Super Highway", der Datenautobahn Internet, fortbewegen können oder möchten, führt zu grundlegenden Problemen. Es verhindert die Chance des Einzelnen im Hinblick auf Leben, Lernen und Arbeiten in der Informationsgesellschaft. Man bedenke: Das Internet wird das gesellschaftliche Zusammenleben und die Teilhabe an gesellschaftspolitischer Mitbestimmung immer stärker beeinflussen. Die Gefahr für Deutschland dabei ist, dass ungleiche technische und intellektuelle Zugangsvoraussetzungen mittelfristig die soziale und ökonomische Spaltung der Gesellschaft intensivieren. Der "Onliner" - die Zukunft Deutschlands 26,7 Millionen Erwachsene in Deutschland nutzen heute das neue Medium. Der typische Internetnutzer verfügt - so zahlreiche Studien - über ein hohes Einkommen, hohes Bildungsniveau und wohnt in Städten. Im Gegenzug sind Personen mit niedrigem Einkommen und Bildungsniveau häufig Offliner. Diese Tatsache vertieft die Spaltung. Neuen Berechnungen zufolge werden im nächsten Jahr über 20 Millionen Menschen in Deutschland keinen Zugang zum Internet haben. Damit drohen einem Viertel der Bevölkerung erhebliche Qualifikationsnachteile. Schließlich ist der Global Citizen die Vorraussetzung für die Informations- und Wissensgesellschaft. Besagte Bevölkerungsgruppe droht außerdem der Ausschluss von vielen Dienstleistungen, die zukünftig nur noch im Internet angeboten werden. "Web oder Weg" heißt die Alternative. Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft löst der "homo economicus" den "homo informaticus" ab. Die Kluft überwinden Um die Offliner für's Internet zu gewinnen, muss man die Serviceinhalte verbessern, kostengünstigere Zugänge schaffen und die Technik vereinfachen. Das ist für die Hard-, Software- und Telekommunikationsindustrie eine Herausforderung. Länder, die einen hohen Internet-Entwicklungsstand und wenig Offliner vorweisen, haben in der Vergangenheit erhebliche staatliche Anstrengungen unternommen, um zukunftsweisende Rahmenbedingungen zu schaffen. Das gilt sowohl für harte Faktoren, wie Infrastruktur für die Telekommunikation, als auch für weiche Faktoren, wie die Ausbildung am PC und eine IT - freundliche Gesetzgebung. Privatwirtschaftliche Initiativen sowie eine enge Einbindung der Informations-, Kommunikations- und Technologieindustrie in den Willensbildungsprozess spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. In Deutschland wurden dank einer steigenden PC-Nutzungssrate und pragmatischer Internet-Gesetzgebung bereits gute Voraussetzungen geschaffen. Langfristig muss es das Ziel sein, flächendeckend Internetzugänge einzurichten. Nur so können wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Standortes Deutschland steigern. Wir haben hier und jetzt die einmalige Chance, Deutschland an die Spitze der Länder zu bringen, die Informationstechnologie nutzen und damit wirtschaftlich erfolgreich sind! Machen wir uns auf den Weg! (*) Erwin Staudt trat 1973 in die IBM Deutschland ein. Seine erste Aufgabe als Führungskraft übernahm er 1982 in Stuttgart. Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH wurde Erwin Staudt 1998. Lesen Sie mehr über den IBM-Chef in seinem Portrait weiter ...

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