Riu-Gruppe und Iberostar planen keine Entlassungen
Spaniens Hoteliers bleiben entspannt

Die spanischen Touristikbetriebe sind stark von der Reiselust der Deutschen abhängig. Doch die zögern mit Buchungen für den nächsten Urlaub. Große Hotelketten wie Riu allerdings können rückläufige Gästezahlen etwa in Mallorca noch auffangen: Sie profitieren vom Ausbau ihres Geschäft außerhalb Spaniens.

sk PALMA DE MALLORCA. Spanische Hoteliers sehen trotz schwacher Buchungen noch keine Notwendigkeit zu drastischen Sparmaßnahmen wie etwa Entlassungen. "Wir sparen seit Anfang des vergangenen Jahres, als sich abzeichnete, dass es ein schlechtes Jahr wird", sagt Carmen Riu Güell, Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten spanischen Hotelgruppe Riu, dem Handelsblatt. Dies reicht bislang. Erst wenn der Krieg im Irak sechs Monate oder länger dauere, müsse die Gruppe möglicherweise über "schmerzvollere Maßnahmen" nachdenken.

Bei Riu seien keine Entlassungen vorgesehen, sagte die Vorstandschefin. Auch die für dieses Jahr geplanten Investitionen des Hotelkonzerns von annähernd 300 Mill. Euro würden vorerst nicht angetastet.

Der spanische Reiseveranstalter Grupo Iberostar will ebenfalls ohne Stellenstreichungen auskommen. "Wir machen aber eine detaillierte Kostenanalyse", sagt Marketingchefin Heike Genschow. Neben dem Irak-Krieg macht sich in der Tourismus-Branche der iberischen Halbinsel die Konsumschwäche in einigen europäischen Ländern bemerkbar. Sowohl Riu als auch Iberostar hängen wesentlich vom deutschen Markt ab: Mit einem Anteil von 50 % und 36 % sind Deutsche die größte Gästegruppe.

Die vor Beginn der militärischen Auseinandersetzung im Irak von verschiedenen Reiseexperten geäußerte Vermutung, im Kriegsfall ziehe es mehr Urlauber nach Spanien, sehen beide Managerinnen skeptisch. "Ich glaube das nicht, ehe ich es nicht sehe", sagt die Chefin der Riu-Kette, an der das deutsche Reiseunternehmen Tui beteiligt ist. Seit Kriegsbeginn beobachtet sie bei europäischen Kunden ein zögerliches Buchungsverhalten. Stornierungen gibt es für Zypern, Tunesien und Marokko. Die Gästezahlen für Mallorca sinken bereits seit Monaten. Hingegen verzeichnen die Betriebe auf den kanarischen Inseln und in Andalusien zunächst steigende Zahlen.

Doch können die spanischen Hotelketten - vor Jahrzehnten meist als kleine Familienunternehmen auf Mallorca entstanden - die Rückgänge in Europa vor allem durch ihr internationales Geschäft auffangen. Dies gilt auch für die Riu-Gruppe, die Hotels in Mexiko und den USA betreibt. "Es gibt keine weltweite Krise im Tourismus", beobachtet Carmen Riu Güell. Während europäische Ziele weniger gefragt seien, werde Übersee stärker gebucht, vor allem von Amerikanern.

Die Einschätzungen über das Tourismusjahr 2003 gehen in Spanien weit auseinander. In den ersten beiden Monaten hat sich die Zahl der Gäste im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Doch dürfte die weitere Entwicklung nach Ansicht der Reiseunternehmen vor allem von der Dauer des Irak-Kriegs abhängen. Im vorigen Jahr waren 51,7 Millionen ausländische Touristen nach Spanien gekommen, 3,3 % mehr als im Vorjahr. Die Einnahmen sanken allerdings um mehr als 5 %. Aus Deutschland kamen 10,1 Millionen Gäste, ein Minus von 6,2 %.

Spaniens größte Fluggesellschaft, Iberia S.A., hat bislang ebenfalls keine drastischen Personalkürzungen geplant, reduziert aber sein Flugangebot deutlich. Ein Sprecher sagte, es sei denkbar, das Flugangebot nach Kürzungen im März (minus 3 %) und April (minus 5,2 %) im Mai weiter zu senken. Weitere Kostensenkungen hingen von der Entwicklung im Irak ab. Zu der Zahl der Flugreisenden seit Kriegsbeginn wollte der Sprecher keine Details nennen.

In den ersten beiden Monaten des Jahres hat Iberia seine Fluggastzahlen leicht gesteigert. Der Sprecher betonte, dass die Nachfrage nach Flügen nach Lateinamerika kaum variiere. Die Route macht für Iberia rund ein Drittel der Einnahmen aus. Auch der Flugverkehr innerhalb Spaniens sei stabil. Die Fluggesellschaften Iberia, Spanair und Aireuropa locken ihre Kunden aber mit massiven Sonderangeboten: innerhalb Spaniens sind einzelne Flüge für 25 Euro zu bekommen.

Quelle: Handelsblatt

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