Rivalität zwischen Finanzzentren
Kesseltreiben gegen Commerzbank

Die Commerzbank steht unter massivem Druck. Täglich prasseln auf Deutschlands viertgrößte Geschäftsbank neue Gerüchte nieder.

dpa/HB FRANKFURT/M. Kaum sind die Dementis verhallt, kommen aus anderen Teilen der Welt neue Spekulationen und ziehen die Aktienkurs weiter in die Tiefe. "Gegen uns wird ein regelrechtes Kesseltreiben veranstaltet, den Gerüchten fehlt aber jede Basis", kommentiert Commerzbank-Sprecher Ulrich Ramm das aktuelle Stimmungstief.

An den derzeit extrem nervösen Kapitalmärkten fallen Gerüchte und Spekulationen aber auf einen fruchtbaren Boden. Am Montag notierte die Aktie der gelben Bank zeitweise bei 5,50 Euro, der niedrigste Kurs seit mehr als zehn Jahren.

Am Freitag kursierte an der Börse die Behauptung, die Commerzbank habe im Geschäft mit Kreditderivaten hohe Verluste gemacht. Hintergrund war eine E-Mail-Anfrage der amerikanischen Großbank Merrill Lynch an die Rating-Agentur Standard & Poor's über die Bonität der Commerzbank.

Die britische Finanzzeitung "Financial Times" hatte davon erfahren und in ihrer Samstagsausgabe berichtet. Der Commerzbank-Vorstand dementierte unmittelbar die neuerlichen Gerüchte über Finanzprobleme und Verluste im Handel mit Kreditderivaten. Ramm kündigte sogar rechtliche Schritte gegen Merrill Lynch und die "Financial Times" an. Die US-Bank soll sich aber schon bei Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller entschuldigt haben, so dass nicht mit einem juristischen Nachspiel zu rechnen ist.

Commerzbank muss Stellenabbau verschärfen

Zum Wochenauftakt legte die Londoner Finanzzeitung nach. Die Commerzbank müsse voraussichtlich mehr Personal abbauen als bislang vorgesehen, um die Kosten weiter zu drosseln. Beides war in der vergangenen Woche schon von verschiedenen Medien aufgegriffen und von der Commerzbank-Spitze bestätigt worden. Die neue Messlatte für die Verwaltungskosten 2003 sei "unter fünf" (2002: 5,5) Mrd. Euro. Das Ausmaß des Stellenabbaus vor allem in der Zentrale, im Ausland und in der Sparte Investmentbanking stehe aber noch nicht fest.

Das erneute Aufgreifen dieses Sachverhalts wird am Bankenplatz Frankfurt mit der traditionellen Rivalität zwischen den Finanzzentren an der Themse und am Main begründet. "Die Financial Times ist das Kampfblatt der Londoner City", wird die Haltung des Blattes kritisiert.

Auch das Flaggschiff der hiesigen Geldbranche, die Deutsche Bank, steht unter erheblichem Druck. Zum Wochenauftakt wurden mit Kursen von knapp über 40 Euro neue Tiefststände markiert. Die Nummer zwei - die Münchner Hypo-Vereinsbank - befindet sich an der Börse ebenfalls auf steiler Talfahrt. Gemeinsam leiden alle Institute derzeit unter der schwachen Konjunktur, der Krise an den Finanzmärkten und den hohen Risiken im Firmenkreditgeschäft.

Studien der Konkurrenz schüren zusätzlich das Misstrauen gegen Finanztitel. Gerüchte über eine bevorstehende Warnung vor schwindenden Gewinnen hatte der Deutschen Bank bereits in der vergangenen Woche einen Kurssturz eingebracht. Am schlimmsten traf den Branchenführer aber eine Studie der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. Darin wurde die künftige Entwicklung der Deutsche- Bank-Aktie schwächer als bisher eingeschätzt.

Der Kursverfall der deutschen Großbanken wird in der Industrie allerdings auch mit Schadenfreude kommentiert. "Die Geister, die sie riefen, hat nun die Geldbranche selbst getroffen." Dahinter steckt die Kritik an der Kultur der Finanzhäuser, im Börsenkurs den entscheidenden Maßstab für die Substanz eines Unternehmens zu sehen.

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