Roachs Weltsicht
Abkoppeln geht nicht

Sicher gehört zu einer globalen Wirtschaft mehr als nur der amerikanische Verbraucher und der chinesische Produzent. Während die meisten Experten die Möglichkeit einräumen, dass diese beiden Zugpferde des weltweiten Wachstums 2007 tatsächlich an Kraft verlieren könnten, herrscht allgemein die Überzeugung, dass andere Volkswirtschaften jetzt in der Lage sind, dieses Vakuum auszufüllen.

Wie überall stirbt auch hier die Hoffnung zuletzt. Betrachtet man die beherrschende Rolle, die der amerikanische Verbraucher dabei gespielt hat, die Nachfrageseite der Weltwirtschaft anzukurbeln, und die gleichermaßen wichtige Rolle des chinesischen Herstellers für die Angebotsseite, dann wird die Abkopplung nicht einfach: Nach unseren Berechnungen entfielen im Zeitraum 2001 bis 2006 auf China und die USA im Durchschnitt zusammen 43 Prozent des auf Kaufkraftparität basierenden Wachstums des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Die Globalisierung macht ein Ausscheren aus einer solch konzentrierten Wachstumsdynamik besonders schwierig. Will sich eine einzelne Volkswirtschaft abkoppeln, dann muss sie die Verbindung kappen und neue Wachstumsquellen entwickeln. Meiner Meinung nach muss eine Volkswirtschaft drei Bedingungen erfüllen, wenn sie als „Abkoppler“ gelten soll: Zunächst einmal muss sie eine nachhaltige Binnennachfrage aufweisen – besonders beim Privatverbrauch. Zum zweiten muss sie über einen breit gestreuten Export-Mix verfügen – und zwar sowohl hinsichtlich der Produkte als auch der Ausfuhrziele. Und drittens muss sie politisch autonom, das heißt in der Lage sein, unabhängige Rahmenbedingungen für die Geld-, Steuer- und sogar Währungspolitik zu errichten.

Abgesehen vom amerikanischen Verbraucher hat aber kein anderer maßgeblicher Konsument der Welt Nennenswertes hinsichtlich einer autonomen Dynamik zu bieten. Die globalen Exporte werden immer noch sehr stark von direkten und indirekten Lieferungen an die USA bestimmt. Da eine Neuausrichtung des Gleichgewichts versäumt worden ist, bleibt eine aus der Balance geratene Welt zurück, die höchst anfällig für einen sowohl in Amerika als auch in China verursachten Abschwung ist. Ein Abkoppeln aus der globalen Dynamik ist reines Wunschdenken.

gastautor@handelsblatt.com

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