Roachs Weltsicht
China bleibt keine Wahl

Wenn die Überhitzung der Wirtschaft droht, ist schnelles und beherztes Eingreifen gefragt. In China sind dies Dinge, die dem Staat durchaus zugetraut werden können. Dennoch entzog sich der Markt bislang allen Kontrollversuchen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in China ist im ersten Quartal 2007 um 11,1 Prozent gestiegen. Der BIP-Bericht weist auf eine starke Überhitzung der Wirtschaft hin. Die Regierung hat keine andere Wahl, als schnell gegen die Exzesse dieser Wirtschaftsentwicklung vorzugehen.

Nach dem aktuellen BIP-Bericht wird die chinesische Zentralbank zweifellos zusätzliche restriktive Maßnahmen ergreifen, um die Wirtschaftsentwicklung zu bremsen. Allerdings bleibe ich bei meiner Meinung, dass solche Schritte nicht ausreichen werden. Der außer Kontrolle geratene Investitionsboom des Landes, der hauptsächlich durch die überzogene Kreditvergabe der Banken angetrieben wird, hat bisher auf die wiederholten Versuche der Währungshüter nicht reagiert. Allein im vergangenen Jahr wurden die Mindestreservequoten sieben Mal und die inländischen Kreditzinsen vier Mal angehoben. Aber diese Schritte haben das Wachstum der Kreditvergabe der Banken nicht stoppen können. Allein im März hat das Volumen um 16 Prozent zugelegt.

Wie das für diese immer noch gemischte Volkswirtschaft typisch ist, werden die tatsächlichen Restriktionen vermutlich in Form administrativer Erlasse erfolgen, die die moderne Gegenspielerin der Zentralen Planungsbehörde Chinas – die Nationale Kommission für Entwicklung und Reform – verfügt. Indem sie strenge Kriterien für die Genehmigung von Projekten auf Fall-zu- Fall-Basis aufstellt, hat die Kommission sowohl die Schlagkraft als auch die Werkzeuge, die nötig sind, um den Investitionsprozess viel schärfer zu kontrollieren. Ich hatte damit gerechnet, dass etwa zur Jahresmitte weitere Maßnahmen eingeleitet werden würden. Nach dem BIP-Bericht allerdings werden die Erlasse der Verwaltung früher kommen.

China will mit seinem momentanen Restriktionskurs drei Ziele erreichen: Erstens soll das reale BIP-Wachstum bis zum Jahresende auf unter zehn Prozent gedrückt werden. Zweitens hat die Verlangsamung der Kreditvergabe der Banken in Peking Priorität und drittens sollen die überschüssigen Wachstumsraten bei den Exporten in den Griff bekommen werden.

Ich bin zuversichtlich, dass China die Kontrolle über seine überhitzte Wirtschaft zurückerlangen wird; indem es nicht zögert, sondern sofort eingreift. China hat keine andere Wahl.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%