Roachs Weltsicht
China unter Druck

Made in China – das Etikett, das heute fast alles ziert, trifft jetzt scheinbar auch auf die Korrekturen an den weltweiten Aktienmärkten zu, nachdem die chinesische Wirtschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Ich weiß nicht, ob der Aufruhr, der am 27. Februar von China ausgegangen ist, nur ein Strohfeuer oder der Anfang einer Umwälzung war. Aber ich hatte schon lange das Gefühl, dass etwas in China unter der Dauerbelastung nachgeben muss. Es könnte sich hier um den Beginn eines Prozesses handeln, bei dem viel Luft abgelassen wird.

Chinas Wirtschaft ist aus dem Gleichgewicht geraten. Das Hauptproblem ist der ungezügelte Investitionsboom; bei einer weiteren Zunahme wird ein deflationärer Kapazitätsüberhang immer wahrscheinlicher. Die Regierung hat die Gefahr erkannt. Seit fast drei Jahren verfolgt sie einen restriktiven Kurs, der auf die Abkühlung des überhitzten Investitionssektors abzielt. Problematisch ist aber, dass Chinas Wirtschaft immer noch stark in sich verwoben ist. Sie ist sowohl staatlich gelenkt als auch von den Märkten bestimmt. Daher hatten geldpolitische Maßnahmen nur begrenzt Erfolg. Die Verantwortlichen mussten sich weitgehend auf „administrative Kontrollen“ verlassen – über Projekte wird von Fall zu Fall entschieden, um Exzesse überbordender Investitionen zu zügeln.

Chinas Zentralbank war aber nicht in der Lage, die Ausweitung der Bankkredite in den Griff zu bekommen, während es den Planern in Peking gelungen ist, die Investitionstätigkeit zu verlangsamen. Dadurch ergab sich ein Liquiditätsüberschuss, der in das Finanzsystem überschwappt. Ein Ergebnis des Missverhältnisses ist eine spekulative Blase an Chinas Aktienmarkt.

Nun glaubt die Führung, sie könne es sich nicht leisten, die Kontrolle über die Realwirtschaft oder die Finanzmärkte zu verlieren. Genau so wie China seine Zentralplaner dazu gebracht hat, die Exzesse der Realwirtschaft mit administrativen Maßnahmen einzudämmen, so fühlt es sich jetzt vermutlich gleichermaßen gezwungen, auf eine ähnliche Vorgehensweise zurückzugreifen, um die Exzesse im Finanzsystem zu bewältigen.

Letztlich sind das gute Nachrichten für China und die Weltwirtschaft – sie bereiten die Bühne für ausgeglichenes und nachhaltiges Wachstum. Aber für diejenigen, die auf ein Wachstum ohne Ende setzen, könnte jegliche Verlangsamung ein böses Erwachen bedeuten. Der Engpass in China scheint da zu sein.

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