Roachs Weltsicht
Deutschland wird besser

Ich war schon immer der Ansicht, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland von der Produktivität abhängt. Aus diesem Blickwinkel sind jetzt an drei Fronten ermutigende Signale zu sehen:

Erstens ist in den starren und mit hohen Kosten belasteten Arbeitsmarkt Bewegung gekommen, die Kosten haben sich reduziert. Die so genannten „flexiblen Arbeitnehmer“ in Deutschland, die in Teilzeit und Zeitarbeit beschäftigt sind, stellen einen Anteil von über 40 Prozent der Erwerbsfähigen insgesamt. Damit ist der Anteil der „Flexiblen“ innerhalb einer Dekade um über zehn Prozentpunkte gestiegen. Inzwischen ist auch den einst so mächtigen Gewerkschaften in Deutschland der Zahn gezogen worden, und die verkürzte Wochenarbeitszeit ist mehr und mehr auf der Strecke geblieben.

Zweitens hinkte Deutschland den anderen Industriestaaten hinterher, als es galt, sich Produktivitätsstrategien zu öffnen, die sich auf die Informationstechnologie (IT) stützen. Doch vieles weist darauf hin, dass sich diese Einstellung jetzt ändert. Laut einer Erhebung der OECD hat sich aber der IT-Anteil an den gesamten deutschen Investitionen von 13,3 Prozent 1995 auf 16,2 Prozent im Jahr 2000 erhöht. Das ist zwar immer noch weit weniger als in den USA mit 29,9 Prozent, aber mehr als in Frankreich (14,4 Prozent), Großbritannien (15,0 Prozent) und sogar Japan (16,0 Prozent).

Drittens nehmen die Anstrengungen beim Unternehmensumbau, gemessen an Fusionen und Akquisitionen, in Deutschland wieder zu. Im Zeitraum 2005/06 könnte das Volumen deutscher M&A-Transaktionen im Durchschnitt 160 Milliarden US-Dollar überschreiten. Das wäre fast doppelt so viel wie der Durchschnitt von 84 Milliarden Dollar, der im Zeitraum 2002/04 erreicht worden war.

Alle diese Faktoren fügen sich zu einem überzeugenden Gesamtbild der deutschen Produktivität zusammen. Nach unseren Schätzungen belief sich das deutsche Produktivitätswachstum in den fünf Quartalen bis Mitte 2006 auf etwa 1,7 Prozent im Jahresvergleich. Das ist eine Beschleunigung gegenüber dem kraftlosen Trend zwischen 1998 und 2004, als der Zuwachs bei nur rund 0,7 Prozent lag. Deutschland befindet sich auf dem Weg der Besserung – eine gute Nachricht für Europa und für die ganze Welt.

gastautor@handelsblatt.com

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