Roachs Weltsicht
Die große China-Debatte

Die Rentabilität chinesischer Unternehmen ist plötzlich zu einer Cause célèbre geworden. Die Rentabilität der Firmen sei in den vergangenen Jahren rasant gestiegen und spiele eine immer wichtigere Rolle dabei, die bereits hohe Sparquote Chinas und den Leistungsbilanzüberschuss noch weiter in die Höhe zu treiben. So argumentiert die eine, von der Weltbank dominierte Seite in dem Disput. Die Gegenspieler gruppieren sich um Weijian Shan von TPG Newbridge, der seit langem einer der erfolgreichsten Investoren in Asien ist. Sie bemängeln, dass die Zahlen zum chinesischen Volkseinkommen die herkömmlichen Barometer zur Messung der Rentabilität zu positiv einfärben. Der Streit hat sehr wichtige Auswirkungen für die Anleger, die Makropolitik Chinas und die chinesische Wirtschaft.

Ich kann dem Ansatz von Shan mehr abgewinnen, der die mangelnde Plausibilität der Ergebnisse der Weltbank betont. Falls die optimistischen Schlussfolgerungen der Weltbank zur Rentabilität zutreffen, folgt daraus, dass der Verschuldungsgrad sinken und die Eigenkapitalrendite steigen muss. Diese Schlussfolgerungen stimmen aber überhaupt nicht mit dem tatsächlichen Abschneiden chinesischer Unternehmen überein.

Darüber hinaus stützt die Weltbank ihre Analyse der Unternehmensgewinne auf das Volkseinkommen und die Kapitalflussrechnung – das schwächste Glied in der Kette der chinesischen Makrodaten, wie man sich unschwer vorstellen kann. Wahrscheinlicher ist, dass die einbehaltenen Gewinne chinesischer Firmen nach wie vor recht schwach sind. Das unterstreicht die Gefahr, die eine uferlose Kreditvergabe der Banken hat. Denn dadurch wird der ohnehin überhitzten Investitionssektor noch weiter angefacht.

Was China angeht, bleibe ich ein ewiger Optimist. Meine Überzeugung gründet sich auf den unerbittlichen Reformwillen des Landes und seinen damit verknüpften Kurs auf ein marktwirtschaftlich ausgerichtetes System. Die Reformen von Staatsunternehmen spielen bei diesem schwierigen Übergang immer noch eine zentrale Rolle.

Es braucht Zeit, bis die Anstrengungen Früchte tragen werden. Ein Ausbruch neu geschöpfter Rentabilität im chinesischen Unternehmenssektor dürfte zu diesem überhitzten Zeitpunkt im Entwicklungszyklus deshalb höchst unwahrscheinlich sein.

gastautor@handelsblatt.com

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